Bericht aus Saarbrücken: Die Abenteuer des Prinzen Achmed

Wie bereits angekündigt hatte ich letzten Samstag mal wieder die Gelegenheit eine Stummfilmveranstaltung anzusehen (eigentlich frustrierend, soviel Termine zu sammeln und dann nicht selbst hingehen zu können).

Zum Kino: Das Kino 8 1/2 ist in Saarbrücken im Nauwieser Viertel, erreichbar über einen Hinterhof. Nach der Eingangtür steht man direkt im Vorführraum und kann an einer kombinierten Kinokasse/Theke Karten und Getränke kaufen. Die Sitze sind absteigend angeordnet (sehr praktisch für etwas kleinere Menschen wie mich, man sieht auch noch etwas, wenn vor jemand vor einem sitzt). Der Raum selbst ist in ein ehemaligen Kellerraum, die Wände bestehen aus schwarz gestrichenen roh behauenen Steinen. Insgesamt ein gemütliches und praktisches Kino ohne viel Schnickschnack.

Instrumente und Musiker finden neben der Theke/Kasse genügend Platz. So hat man zwar keine Möglichkeit während des Films die Musiker zu sehen, aber man hört die Musik gut von hinten.

Der Film: Die Abenteuer des Prinzen Achmed ist ein Scherenschnittfilm vom Lotte Reiniger. Lotte Reiniger produzierte den Film 1923-1926 mit sechs Assistenten. Figuren und Hintergründe der Szenen wurden mit der Schere aus schwarzem Papier ausgeschnitten, Figuren mit beweglichen Gliedmaßen versehenen und dann Bild für Bild als Silhouetten vor einer Lichtquelle abgefilmt.

Ein böser Zauberer bietet dem Kalifen von Bagdad ein fliegendes Pferd an. Prinz Achmed, der Sohn des Kalifen, wird auf das fliegende Pferd gelockt und ein lange abenteuerliche Reise beginnt. Auf der Zauberinseln von Wak Wak verliebt er sich in die Fee Pari Banu und nimmt sie mit auf die weitere Reise. Aus Rache entführt der Zauberer die Fee und schenkt sie dem Kaiser von China, während Prinz Achmed an einen Berg gefesselt wird. Eine gute Hexe aus dem inneren des Berges befreit Achmed und hilft ihm, Pari Banu zu retten. In weiteren Abenteuern wird die Fee von Dämonen aus Wak-Wak entführt. Mit Hilfe der Hexe der Flammenberge und Aladins Wunderlampe gelingt es Achmed am Ende, Pari Banu zu befreien und sie als seine Frau heimzuführen.

Die Aufführung war leider schlecht besucht, dafür war die Stimmung umso besser. Der Film fängt mit seiner Technik die märchenhafte Atmosphäre der Handlung sehr gut ein. Die Geschichte selbst fand ich nicht so gelungen, ich hatte den Eindruck es wurde versucht aus verschiedenen Märchen Teile zu entnehmen und irgendwie zu verbinden. Mit China wurde dann noch ein weiterer exotischer Handlungsort eingebunden, wobei der chinesische Kaiser mit einer der lustigsten Charaktere war. Der Film erweckt den Eindruck es steht weniger die Handlung, als vielmehr die Möglichkeit der Darstellung im Vordergrund (was es ja auch tut). Sehr gut gefallen haben mir auch die Zwischentitel, irgendwie fand ich mich an arabische Buchstaben erinnert, ohne das es aufdringlich ‘arabisiert’ wurde.

Die Musik: Es spielten neben Jörg Abbing (Klavier) zwei Studenten des Fachs Improvisation der Hochschule für Musik Saarbrücken. An diesem Abend war es eine Klarinettistin und ein Percussionsist. Piano und Klarinette bildeten eine schöne Klangkulisse für den Film, die Percussion harmonierte leider nicht so gut mit den anderen Musikern, versuchte aber auch nicht sich in den Vordergrund zu schieben. Insgesamt war es eine schöne und passende Musik, mir gefiel die Veranstaltung.

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Eine Antwort zu “Bericht aus Saarbrücken: Die Abenteuer des Prinzen Achmed”

  1. Lotte Reiniger Ausstellung in Tübingen…

    Passend zu der heute bei absolut medien erscheinenden neuen DVD mit Lotte Reinigers schönsten Filmen:
    Ihr Browser kann leider keine eingebetteten Frames anzeigen. Sie können die eingebettete Seite über den folgenden Verweis aufrufen: Amazon

    Seit dem 7…

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