Wie sicherlich bekannt verstarb vergangenen Montag der Regisseur Ingmar Bergman. Ingmar Bergman wuchs noch in Zeiten des Stummfilm auf und war in seiner Jugend fasziniert vom Stummfilm.
Im Usenet kam dazu unter alt.movies.silent eine interessante Frage auf: Wie sehr war Bergman vom Stummfilm beeinflusst?
kino eye stellt dabei die These auf, das Regisseure mit einer Verbindung zur Stummfilmzeit einen Vorteil haben, da sie gelernt haben, eine Geschichte mit der Kraft der Bilder zu erzählen. Filmemacher, die in Zeiten des Fernsehens aufgewachsen sind, nutzen eine andere Bildkomposition, und viel schlimmer die Darstellerentwicklung aus dem Fernsehen.
Ich weiss noch nicht was ich davon halten soll. Auf den ersten Blick scheint es sinnig zu sein, aber ich glaube nicht, das es sich wirklich so verhält. Ich glaube das Problem sind weniger die Macher, eher die Zuschauer. Das Fernsehen änderte und ändert die Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten, Musikvideos und Internet tun es vermutlich noch mehr. Selbst wenn ein Filmemacher die ‘klassischen’ Techniken beherrscht, ist es die Frage ob er sie nutzen will. Seine Zuschauer sind etwas anderes gewohnt. Es mag ja spannend sein, Zuschauererwartungen zu enttäuschen, aber ob es der Wunsch ist? Manche Regisseure werden es wagen und die Ergebnisse werden sicherlich nicht die schlechtesten Filme sein.
Und man darf auch nicht vergessen: Viele Regisseure sind in der Stummfilmzeit aufgewachsen und haben Filme gedreht. Wieviele dieser Filme waren Meisterwerke, wieviele Durchschnitt, wieviele schlicht schlecht? Im Rückblick ist jede Kunstperiode besser als die Gegenwart. Der Durchschnitt war damals sicherlich nicht besser, aber in Erinnerung bleiben die Meisterwerke.
Ich erwarte in Zukunft von den ‘TV-verseuchten’ Filmemachern viel Durchschnitt und freue mich auf die wenigen Meisterwerke, die sie sicherlich auch produzieren werden.
Zum Usenet-Beitrag Bergman’s death–silent film connection bei Google-Groups: alt.movies.silent.
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Tags: Ingmar Bergman, Nachruf, Regisseure
Interessante Fragestellung das! Die Theorie mit der stärkeren visuellen Kraft von Filmemachern der Stummfilmzeit ist ja weit verbreitet. Wenn ich mich recht erinnere hat auch Akira Kurosawa in seiner Autobiographie geschrieben, wie sehr er es bedauerte, dass durch den Tonfilm viele Dinge nicht mehr im Bild und über die Mimik und Gestik der Schauspieler ihren Ausdruck fanden sondern den Schauspielern in den Mund gelegt wurden. Er hat auch vielfach seine Schauspieler dazu ermuntert, zu den Mitteln des Stummfilms zu greifen (was aus heutiger Sicht wie over-acting wirkt), bekannteste Beispiele dafür sind wahrscheinlich Rashomon und Yojimbo.