Donnerstag in Pordenone: Corrick-Collection, Masterclass und verschiedene Komödien

Mein Tag begann mit einer Wiederholung des ‘The Corrick Collection – 1′ Programmes. Das ich vergangenen Sonntag nicht gesehen habe. Gabriel Thibaudeau begleitete neun Filmchen in der Länge von jeweils 5-15 Minuten. Darunter waren Komödchen, Dolumentationen aus verschiedenen Ländern und Zeiten. Ein insgesamt unterhaltsames Morgenprogramm dessen langweilige Teile auch immer schnell vorbei waren. Den zweiten Teil der Corrick Collection sah ich mir dann zugunsten der Masterclass nicht an.

Die Masterclass an diesem Donnerstag war mal wieder eine sich lohnende Veranstaltung. Es wurden im Laufe der Klasse zwei Filme gezeigt (jeweils so ca. eine halbe Stunde) die abwechselnd von den zwei Masterclass-Schülern begleitet wurden. Dazu gab es dann jeweils noch kleine Gesprächsrunden zwischendrin über Filmverständnis und Tipps zum Stummfilm begleiten. Lehrer war diesmal Neil Brandt, später stieß noch von Gabriel Thibaudeau hinzu.

Es gab jede Menge Tipps und Informationsschnippsel rund um Stummfilmbegleitung, es war für die Zuschauer und für die zwei Schüler unterhaltsame zwei Stunden. Amüsant waren so kleine Seitenhiebe auf die Handlungsstränge (Mannwerdung bedeutet das Mädchen zu bekommen das man will und böse Jungs bestraft man, dieser Männlichkeitsbegriff sei doch sehr 1920-er like.)

Als Gabriel Thibaudeau dazukommt gibt er ein paar Tipps aus dem ‘Silent Film Pianist Survival Kit’. So meint er man sollte im Verhältnis 50/50 auf Klaviatur und Leinwand sehen, bei schnellen Komödien max. 2 Sekunden auf die Tasten schauen, sonst verliert man zuviel Story.

Und generell sollte man Mut zu seiner eigene Musik zeigen. Dazu hatte er eine Anekdote aus Bologna zur Hand. Auf den Ruf aus dem Publikum ‘Sie haben den Film mit ihrer Musik zerstört’ kam ebenfalls aus dem Publikum der Ruf ‘Ich habe gerade die Filmrollen gesehen, sie scheinen noch in Ordnung zu sein.’ Thibaudeaus Folgerung daraus: Mit der Musik kann man keine Filme physikalisch zerstören, habt Mut.

Daneben zeigte er etwas Klaviertechnik und wie man Harfen und Glocken nachbilden kann. Ebenfalls zeigte er, wie man mit einer Kreditkarte (”Don’t take your credit card, take some of this air craft company cards”) und dem Klavier Geräusche für Horror- und Angstszenarien machen kann (ein paarmal über die Saiten kratzen). Und als spezieller Tipp für das Klavier in dem Veranstaltungsraum: ‘Put some oil on the pedals’ (schon die ganzen Tage quietschte das Klavier).

Bei Textverständisproblemem empfahl er eine Analyse der Körpersprache und die Platzierung der Darsteller. Werden zwei Leute nacheinander gezeigt oder zusammen? Haben sie die gleiche Größe:?Werden zwei Leute beim ersten gemeinsamen Auftritt zusammen in gleicher Größe gezeigt, so wäre das ein Indiz auf eine schon bestehende Beziehung. Beim Nacheinander kommen lernen sie sich vermutlich erst noch kennen.

Nach der Masterclass gab es noch einen der ersten afrikanischen Filme zu sehen. ‘The Rose of Rhodesia’, begleitet von Philip Carli (da folgt vermutlich noch ein Blog-Artikel)

Darauf folgend gab es in einem größeren Rahmen noch mal den Film ‘On Strike’ der bereits am Sonntag im Rahmen des Collegiums gezeigt wurde. Der Hauptfilm am diesem Nachmittag war dann ‘L’Heureuse Mort’ eine amüsante Komödie über einen erfolglosen und untalentierten (?) Autor, der nach seinem Unglückstod in der Nordsee als großer französischer Autor erkannt wird und dessen Stücke fortan erfolgreich in die Theater kommt und dessen Werke erfolgreich vermarktet werden. Leider klappte es mit seinem Tod aber nicht ganz, er überlebte das Unglück und tritt fortan als sein aus dem Senegal zurückgekehrter Bruder auf und entdeckt zusammen mit seiner Witwe immer wieder neue Werke aus dem Vermächtnis. Kompliziert wird es, als sein Bruder wirklich kommt um den Betrüger zu enttarnen. Eine amüsante Geschichte bei der man trotz Nachmittagsmüdigkeit gerne wach bleibt. Die Spätnachmittagsfilme aus der Sherlock-Reihe lasse ich zugunsten eines kleinen Schläfchen aber dann doch ausfallen.

Der Abend beginnt mit einem kurzen ‘Eventi Speciale’: The Frederico Mission Movie Kit’ begleitet den Chaplin-Film ‘The Rink’. Obwohl der Film schon oft gesehen wurde macht er mit neuer Musik doch wieder Spaß. Die Musik wurde auf dem diesjährigen ‘Strade del Sole’-Festival in Aosta prämiert.

Als Hauptfilm folgte ‘Der Fürst von Pappenheim’ eine hübsche Komödie über eine Prinzessin, die nicht irgend einen für sie ausgesuchten Prinzen heiraten will, sondern lieber ausbricht um die echte Liebe zu suchen. Zuflucht findet sie als Mannequin bei einem Modehaus und nach vielen Verwicklungen arrangiert sie sich mit dem Prinzen – der ganz zufällig eben der Mann ist, in den sie sich zuvor auch verliebte. Eine zu erwartende Geschichte, aber schön in Szene gesetzt und hervorragend von Donald Sosin begleitet.

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