Archiv für die Kategorie ‘Festivals’

Stummfilmfestivalkalender

Dienstag, 09. März 2010

Im Rahmen meiner Aktualisierungen bin ich über meine Festivalliste gegangen und habe einiges aktualisiert. Die PDF-Jahresübersicht enthält neben den Festivals auch noch für (fast) jeden Tag den Verweis auf einen Geburts- oder Todestag eines Stummfilmstars.

Neu angelegt habe ich einen Google-Kalender mit den Festivaldaten und ihn als Seite im Stummfilm-Blog integriert. Der Festivalkalender ist ein Test für eine Terminübersicht in Kalenderform. Leider hat es dort noch einige Probleme, insbesonders mit dem Encoding (Umlaute) und Zeitverschiebungen der Termine (Termine sind eine Stunde verschoben). Ich arbeite dran.

Voix du muet 2010

Sonntag, 28. Februar 2010

Ich bin gerade am Aktualisieren der Stummfilmfestivals für Stumm­film.info.

Da es mir in letzter Zeit häufiger passierte, das ich mir dachte Toll, muß ich mal bloggen und ich dann keine Zeit fand, vorab schon mal eine Info:

In der Schweiz findet vom 18.- 21. März erneut ein Voix du muet-Festival statt. Details zum Festival hat es auf französisch auf der Website des café-théâtre Barnabé.

Deutschsprachige Informationen zu Voix du muet-Festival hat es bei Stumm­film.info. Und mit etwas Glück kommen noch nähere Informationen zum Festival 2010.

Neckarwestern im 23. Stuttgarter Filmwinter

Donnerstag, 14. Januar 2010

Vom 21. – 24. Januar 2010 findet in Stuttgart der 23. Stuttgarter Filmwinter statt. Das “publikumswirksame Forum der Film- und Kunstavantgarde” bietet dabei am 23. Januar auch etwas für Stummfilmfreunde.

Unter dem Motto “Rhapsodie in Blei – Geschossen wird ab Mitternacht” werden Neckarwestern aus Heidelberg gezeigt.

Gezeigt wird Bull Arizona – Der Wüstenadler, ein ca. 50 Minuten langer Film von Phil Jutzi und Horst Krahé (1919). Astrid Beyer führt in den Film und die Geschichte der Westernfilme aus Heidelberg ein.

Stummfilmfestivals 2010

Samstag, 07. November 2009

Gestern fand ich endlich mal Zeit meine Festivalliste mit Stumm­filmfestivals zu aktualisieren. Heraus kam auch eine aktua­li­sierte Übersicht zu den Stummfilmfestivals 2010.

Neben der Liste auf der Website hat es auch einen Über­sicht­kalender als PDF. In der Jahresübersicht sind die mir bislang bekannten Festivals eingetragen, zusätzlich hat es für (fast) alle Tage ein Jahrestag eingetragen. Basis sind die Jahrestage, die auch im Blog am rechten Rand erscheinen.

Berlinale zeigt kompletten Metropolis

Samstag, 31. Oktober 2009

Wie die Berlinale, Spiegel.de und diverse andere berichten, gibt es auf der kommenden Berlinale die Weltpremiere für die restaurierte “Metropolis”-Fassung.

Fritz Langs Originalfassung des Stummfilmklassikers “Metropolis” von 1927 kehrt bei der Berlinale 2010 auf die Kinoleinwand zurück. In einer Galavorstellung am 12. Februar im Friedrichstadtpalast werde die von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restaurierte Fassung des Films 83 Jahre nach der Uraufführung Premiere feiern, teilte die Berlinale am Donnerstag mit.

20. Film+MusikFest, Bielefeld

Dienstag, 20. Oktober 2009

Eine kurze Erinnerung: In gut zwei Wochen startet in Bielefeld (sofern es Bielefeld gibt) das 20. Film+MusikFest.

Gezeigt werden an sieben Tagen Filme unter dem gemeinsamen Motto “Rivalen”. Gezeigt werden Sunrise, – A song of two Humans (USA/Murnau), Die keusche Susanne (D), Borderline (GB/CH), Express 300 Meilen (Japan), The Marriage Circle (USA, Lubitsch), Speedy (USA, Harald Lloyd) und Dornröschen (D). Musikalisch begleitet werden die Filme von Orchestern und Einzelmusikern.

Eine Kurzübersicht zum Festivalprogramm hat es bei Stummfilm.info, Details finden sich bei der Murnaugesellschaft.

Samstag, Abschlusstag in Pordenone 2009

Samstag, 10. Oktober 2009

Der letzte Tag beim diesjährigen Stummfilmfestival beginnt mit Filmschnipseln des frühen Kinos, begleitet von den zwei Musikern der Masterclass (Miye Yanashita und Cyrus Gabriysch).
Für mich ganz interessant war ‘The Sinking of the Lusitania’ von Winsor McCay. Winsor McCay war in einem der Vorjahre ein Schwerpunkt, aber ich meine den Film gab es damals nur im Rahmen einer Art ‘The making of’ in Ausschnitten zu sehen. Hübsch war auch ‘The Teddy Bears’ mit knuffeligen Bären in den Hauptrollen. Und die Musiker hatten einmal echte Probleme einen 5-Sekunden-Schnipsel zu begleiten. Kaum angefangen, schon war der Schnipsel unerwartet vorbei.

Der Vormittag ging dann mit einem weiteren Glanzwerk weiter. Der dänische Film ‘The Master of the House’ beschrieb eine inzwischen unübliche häusliche Gesamtsituation, in der der Mann einen übelgelaunten Haustyrannen spielt und die Hausfrau sich für Mann und Kinder aufopfert. Als sie kurz vor dem Zusammenbruch steht wird sie von ihrer Mutter und dem ehemaligen Kindermädchen des Mannes zur Erholung geschickt und für den Mann beginnt eine Umerziehung. Als er seine Fehler einsieht kommt sie wieder zurück. Insgesamt amüsant, man sieht aber auch, das der emanzipatorische Ansatz nicht sehr weit geht. Die Tochter hilft immer bereitwillig im Haushalt, während der Sohn auf der Straße spielt und die Geschlechterrollen werden nie in Frage gestellt.

Am Nachmittag gibt es dann erneut einen Block mit Detektivfilmen, danach folgte der Dreyer-Film ‘Die Gezeichneten’, ein Film über die Anzettelung eines Judenprogramms um 1905 in Russland.

Das Programm für den Nachmittag schließt heute etwas früher, am Abend gibt es dann den Film ‘Ukulelescope’ , begleitet vom ‘Ukulele Orchestra of Great Britain’. Das Orchester begleitet eine Auswahl von Kurzfilmen des British Film Institute. Ich freu mich schon!

Freitag in Pordenone: Clowns, Masterclass, Korsika und eine Anklage

Samstag, 10. Oktober 2009

Der Freitag startet mit dem Film ‘Ein Mädel und drei Clowns’ (GB/D, 1928) – ein Stück passend zum Thema häusliche Gewalt im Zirkusumfeld. Eine netter Film mit zu erwartendem Ende – Sie bekommt Ihn und der Bösewicht die Strafe. Ich fragte mich nur warum die Mutter in der Geschichte ihren Mann verlies und die Tochter bei ihm zurücklies. Ok, ohne die damalige Flucht könnte die Tochter Jahre später nicht die Geschichte auslösen die die Basis des Filmes bildet. Begleitet wurde der Film von Günter Buchwald.

Die darauf folgende Masterclass leitet erneut Gabriel Thibaudeau, als Gast hat er eine Bühnendirektorin mit der er etwas über Themenstränge und Dramatik reden will (was er dann aber kaum dazu kommt). Er verrät nochmal einige Tricks aus seiner Trickkiste, zum Beispiel wie Züge klingen (und dabei kurz auf eine Diskussion über die unterschiedlichen Klänge britischer und amerikanischer Züge hinzuweisen). Die ebenfalls anwesende Maud Nelissen (Dirigentin der Eröffnungsveranstaltung) zeigte wie Pferde in der Nacht auf dem Klavier gespielt werden können.

Danach wurden wieder Auszüge aus Filmen gezeigt. Die gleichen Szenen wurden nacheinander von den beiden Masterclass-Musikern begleitet, anschließend spielte Gabriel Thibaudeau die DVD mit der von ihm erzeugten Vertonung ab. Dabei gab es interessante Parallelen, aber auch massive Unterschiede der Vertonungen. Es wurde nochmal darauf hingewiesen, das es keine falsche Begleitung gibt, nur unterschiedliche Interpretationen. Donald Sosin stellte noch eine weitere Idee zu einer Szene vor, meinte aber, dazu muss man vorher schon ein Motiv einführen. Thibaudeau grinste nur und spielte sein Motiv dieser Szene vor.

Am Nachmittag folgen wieder einige Detektivgeschichten in der Sherlock-Reihe, gefolgt von einem britischen Film (’The Wheels of Chance’), den man jederzeit als Werbefilm zum Fahrrad fahren einsetzen könnte. Die zwei Themenstränge eines jungen Stoffverkäuferassistenten der mit dem Rad in den Urlaub fährt und einer jungen Dame die ebenfalls mit dem Rad der heimatlichen Enge, finden zusammen als der Junge ihr seine Hilfe anbietet sie gemeinsam durch die Gegend radeln.

Nach dem britischen Film kommt ein fast zweistündiger französischer Film, der auf Korsika spielt. In ‘L’Île Enchantée’ stoßen der edelmütige Korse und Naturbursche (zwar ein Mörder, aber nur der Tradition gehorchend und auch immer wieder zeigend was für ein guter Mensch er ist und ganz nebenbei auch Arzt) auf die fortschrittliche Ingenieurin die in Korsika versucht ein Kraftwerk zu bauen. So verschieden die Grundhaltungen sind, sie finden doch zusammen – und doch wieder nicht. Viel Drama, gute Musik von Cyrus Gabriysch – aber muss das so lange sein?

Nach dem französischen Film graute mir schon vor dem Abendfilm. ‘J’Accuse’ dauert 192 Minuten – über drei Stunden. Und das Thema 1. Weltkrieg und dessen Grausamkeit versprach jetzt nicht eine bequeme Veranstaltung. Trotz der über drei Stunden und einer nicht unbedingt flotten Handlung – der Film fließt eher gemächlich mit 16 Bildern/Sekunde – fand ich den Film allerdings nicht langatmig. Die Bilder faszinierten und die Musik von Stephen Horn (Piano/Flöte) untermalten den Film wunderbar. Ich langweilte mich im Gegensatz zum Vorfilm nicht.

Die Kopie zu J’Accuse wurde vom niederländischen Filmmuseum neu restauriert und hier in Pordenone erstmals international aufgeführt. Danach geht er weiter und es besteht die gute Chance, das der Film demnächst auf weiteren Festivals gezeigt wird. Absolut sehenswert, aber man darf keine leichte Unterhaltung erwarten.

Donnerstag in Pordenone: Corrick-Collection, Masterclass und verschiedene Komödien

Samstag, 10. Oktober 2009

Mein Tag begann mit einer Wiederholung des ‘The Corrick Collection – 1′ Programmes. Das ich vergangenen Sonntag nicht gesehen habe. Gabriel Thibaudeau begleitete neun Filmchen in der Länge von jeweils 5-15 Minuten. Darunter waren Komödchen, Dolumentationen aus verschiedenen Ländern und Zeiten. Ein insgesamt unterhaltsames Morgenprogramm dessen langweilige Teile auch immer schnell vorbei waren. Den zweiten Teil der Corrick Collection sah ich mir dann zugunsten der Masterclass nicht an.

Die Masterclass an diesem Donnerstag war mal wieder eine sich lohnende Veranstaltung. Es wurden im Laufe der Klasse zwei Filme gezeigt (jeweils so ca. eine halbe Stunde) die abwechselnd von den zwei Masterclass-Schülern begleitet wurden. Dazu gab es dann jeweils noch kleine Gesprächsrunden zwischendrin über Filmverständnis und Tipps zum Stummfilm begleiten. Lehrer war diesmal Neil Brandt, später stieß noch von Gabriel Thibaudeau hinzu.

Es gab jede Menge Tipps und Informationsschnippsel rund um Stummfilmbegleitung, es war für die Zuschauer und für die zwei Schüler unterhaltsame zwei Stunden. Amüsant waren so kleine Seitenhiebe auf die Handlungsstränge (Mannwerdung bedeutet das Mädchen zu bekommen das man will und böse Jungs bestraft man, dieser Männlichkeitsbegriff sei doch sehr 1920-er like.)

Als Gabriel Thibaudeau dazukommt gibt er ein paar Tipps aus dem ‘Silent Film Pianist Survival Kit’. So meint er man sollte im Verhältnis 50/50 auf Klaviatur und Leinwand sehen, bei schnellen Komödien max. 2 Sekunden auf die Tasten schauen, sonst verliert man zuviel Story.

Und generell sollte man Mut zu seiner eigene Musik zeigen. Dazu hatte er eine Anekdote aus Bologna zur Hand. Auf den Ruf aus dem Publikum ‘Sie haben den Film mit ihrer Musik zerstört’ kam ebenfalls aus dem Publikum der Ruf ‘Ich habe gerade die Filmrollen gesehen, sie scheinen noch in Ordnung zu sein.’ Thibaudeaus Folgerung daraus: Mit der Musik kann man keine Filme physikalisch zerstören, habt Mut.

Daneben zeigte er etwas Klaviertechnik und wie man Harfen und Glocken nachbilden kann. Ebenfalls zeigte er, wie man mit einer Kreditkarte (”Don’t take your credit card, take some of this air craft company cards”) und dem Klavier Geräusche für Horror- und Angstszenarien machen kann (ein paarmal über die Saiten kratzen). Und als spezieller Tipp für das Klavier in dem Veranstaltungsraum: ‘Put some oil on the pedals’ (schon die ganzen Tage quietschte das Klavier).

Bei Textverständisproblemem empfahl er eine Analyse der Körpersprache und die Platzierung der Darsteller. Werden zwei Leute nacheinander gezeigt oder zusammen? Haben sie die gleiche Größe:?Werden zwei Leute beim ersten gemeinsamen Auftritt zusammen in gleicher Größe gezeigt, so wäre das ein Indiz auf eine schon bestehende Beziehung. Beim Nacheinander kommen lernen sie sich vermutlich erst noch kennen.

Nach der Masterclass gab es noch einen der ersten afrikanischen Filme zu sehen. ‘The Rose of Rhodesia’, begleitet von Philip Carli (da folgt vermutlich noch ein Blog-Artikel)

Darauf folgend gab es in einem größeren Rahmen noch mal den Film ‘On Strike’ der bereits am Sonntag im Rahmen des Collegiums gezeigt wurde. Der Hauptfilm am diesem Nachmittag war dann ‘L’Heureuse Mort’ eine amüsante Komödie über einen erfolglosen und untalentierten (?) Autor, der nach seinem Unglückstod in der Nordsee als großer französischer Autor erkannt wird und dessen Stücke fortan erfolgreich in die Theater kommt und dessen Werke erfolgreich vermarktet werden. Leider klappte es mit seinem Tod aber nicht ganz, er überlebte das Unglück und tritt fortan als sein aus dem Senegal zurückgekehrter Bruder auf und entdeckt zusammen mit seiner Witwe immer wieder neue Werke aus dem Vermächtnis. Kompliziert wird es, als sein Bruder wirklich kommt um den Betrüger zu enttarnen. Eine amüsante Geschichte bei der man trotz Nachmittagsmüdigkeit gerne wach bleibt. Die Spätnachmittagsfilme aus der Sherlock-Reihe lasse ich zugunsten eines kleinen Schläfchen aber dann doch ausfallen.

Der Abend beginnt mit einem kurzen ‘Eventi Speciale’: The Frederico Mission Movie Kit’ begleitet den Chaplin-Film ‘The Rink’. Obwohl der Film schon oft gesehen wurde macht er mit neuer Musik doch wieder Spaß. Die Musik wurde auf dem diesjährigen ‘Strade del Sole’-Festival in Aosta prämiert.

Als Hauptfilm folgte ‘Der Fürst von Pappenheim’ eine hübsche Komödie über eine Prinzessin, die nicht irgend einen für sie ausgesuchten Prinzen heiraten will, sondern lieber ausbricht um die echte Liebe zu suchen. Zuflucht findet sie als Mannequin bei einem Modehaus und nach vielen Verwicklungen arrangiert sie sich mit dem Prinzen – der ganz zufällig eben der Mann ist, in den sie sich zuvor auch verliebte. Eine zu erwartende Geschichte, aber schön in Szene gesetzt und hervorragend von Donald Sosin begleitet.

Mittwoch in Pordenone: Masterclass, Memorial Lecture und Restaurieren von Farben

Freitag, 09. Oktober 2009

Der Mittwoch beginnt wieder mit einigen Filmen in der Sherlock-Reihe. Es startet mit einem süßen Hundedetektiv der die Unholde verfolgt und am Ende stellt. Nett die Verfolgungsszene in der der Hund einen Täter verfolgt und jedesmal wenn der Mann sich umdreht der Hund unauffällig an der Ecke wartet oder sich hinter einem Hydranten versteckt um nicht entdeckt zu werden. Und ganz clever: Um ins Haus der Bösewichte zu kommen legt man sich auf die Straße und spielt den abgefahrenen Hund. Die Frau des Unholds hat natürlich sofort Mitleid und nimmt den Hund in die Wohnung.

Nach einem kurzen Fu-Manchu Film beginnt dann der Hauptfilm: ‘William Voss, der Millionenndieb‘. Kurz die Geschichte: Ein Reicher Mann schenkt sein Eigentum einer Wohltätigen Stiftung unter der Voraussetzung, das er bis zu seinem Tode eine jährliche Leibrente bekommt. Aber wider Erwarten stirbt er die nächsten Jahre nicht, sondern lebt weiter von seinem Leibdiener gepflegt weiter. Sherloch Holmes wird gebeten das zu untersuchen und entlarvt den Diener, der den Tod seines Herrn geheim hielt und so die Leibrente über Jahre einkassierte.

Alle Filme des Frühprogramms werden von Donald Sosin begleitet.

Nach dem Frühprogramm gehe ich weiter und besuche eine weitere Masterclass. John Sweeney und Gabriel Thibaudeau geben diesmal Hinweise zur Stummfilmbegleitung. U.a. werden so kleine Tipps gegeen wie: Wenn jemand einen Brief schreibt und den Brief zusammenfaltet, dann stellt euch auf einen Szenenwechsel ein.

Am Mittag gibt es dann im Rahmen der Jonathan Dennis Memorial Lecture einen Vortrag von Edith Kramer zum Thema “Film Programming: Where we’ve been and where we’re going (Arguments with myself)”. Leider habe ich den Anfang verpasst, aber was ich mitbekam war ganz interessant. Wie stellt man ein Filmprogramm zusammen, das einerseits das Publikum interessiert, aber auch filmhistorisch interessant und – und vor allem, das dafür sorgt, das der Nachwuchs auch die Möglichkeit hat sich über die Filmhistorie zu informieren, weiterzubilden und schlussendlich auch die Fackel der Bildung weiter zu tragen.

Weiter ging es für mich mit einer Collegium-Sitzung bei der ich kurz vorbeischaute. Thema war die Restaurierung von Farbe im Stummfilm. Verschiedene Arten der Färbung wurden vorgestellt und verschiedene Arten die Filme mit Farbe zu restaurieren. Dazu gab es dann jeweils Beispiele mit verschiedenen Arten der Farbrestaurierung.

Daneben gab es einen Rückblick über die Geschichte der Farbrestaurierung. In der Anfangszeit wurde Farbe gar nicht archiviert, da es nicht Bestandteil der Filmproduktion war, sondern “nur eine Nachbearbeitung” am Ende der Filmherstellung. Interessant auch die Versuche Farbe zu Restaurieren, indem man versucht die alten Färbeprozesse wieder auf die neuen Filmkopien anzuwenden. Dabei wurde auch gezeigt, wie Analysen mittels einem Röntgenverfahren gemacht wurden. Ein Ergebnis war, das man bei Orangefärbungen vorsichtig sein muss. Es gab Verfahren der Blaufärbung, die langfristig durch chemische Prozesse einen Orangeton ergeben. Nachdem sie das heraus fanden, überprüften sie gezielt orangene Filme beim George Eastman Haus, ob sie wirklich orange waren oder nicht doch blau – sie wurden allerdings nicht fündig.

Am Nachmittag gab es unter dem Titel ‘The Sounds of British Silents‘ eine Veranstaltung, deren Ankündigung spannend klang. Mit John Sweeney am Klavier sollen verschiedene Filme gezeigt werden, bei denen die musikalische Begleitung fixiert war. Das waren zum Teil Platten oder sonstige Tonträger die den Film begleiten, teilweise aber auch Noten speziell für die Filme waren. Eigentlich erwartete ich Hinweise zu den Verfahren, aber die Filme wurden alle ohne weiteren Kommentar gezeigt. Teilweise gab es Ton aus der Konserve, teilweise Live-Klaviermusik. Bei vielen der Filmen hatte die Musik besondere Bedeutund, da Tanzszenen oder ähnliche gezeigt wurde. Bei den Filmen mit Liedtexten wurde dann auch vom Publikum mitgesungen.

Am Abend lud dann Haghefilm zu einer Party im Ridotto del Verdi ein. Die Stummfilmcommunity traf sich dort zu kostenlosen lecker em Essen und leckeren Wein aus Friaul. (Fotos folgen).

Am Abend gab es dann wieder zwei kleine Höhepunkte. Zum einen wurden Neuentdeckungen vom ‘Ballets Russes’ gezeigt. Zwei Filme von 1909 zeigten große Tänzer des russischen Balletts. Als Nicht-Ballett-Interessierten sagten mir die Namen nicht allzu viel, darunter sind Tamara Karsavina (Partnerin von Nijinsky), Alexandra Baldina, Theodore Kosloff. Dank der Recherchearbeiten von John Sweeney wurden die Filme erstmals mit der Originalmusik der Tänze gespielt. Die Tänzerin des folgenden Films von 1924 sagte mir bereits etwas: Anna Pavlova. Gezeigt wurden diverse Tänze die sie in den Fairbanks Studios während der Dreharbeiten für den ‘Dieb von Bagdad’ machte (sie spielt nicht im Film mit, war aber während der Dreharbeiten anwesend und die Kulissen wurden genutzt). Details zu den Ballettfilmen hat es im Programmheft, Seite 109ff.

Nach den Ballettfilmen gab es dann mit ‘Der Golem wie er in die Welt kam’ einen deutsche Klassiker mit einer neuen Partitur von Betty Olivero, gepielt von Cynthia Treggor, Melissa Majoni (je Violine), Lorenzo Rundo (Viola), Serena Mancuso (Violoncello) und Lee Mottram an der Klarinette. Dirigiert hat Günter Buchwald. Sagen wir es so: Die Musik war gut solange sie spielte, die Pausen zwischen drin störten und deren dramaturgischer Sinn erschloss sich mir nicht so ganz. Bei späteren Gesprächen stellte sich heraus, das ich da nicht ganz alleine war. Ansonsten muss ich gestehen: Trotz mehrfachen Sehens, mir gefällt der Film immer noch nicht. Die einzige Szene die mir gefällt ist am Filmende die Szene mit dem Golem und dem Kind.