Archiv für die Kategorie ‘Berichte’

Presseschau

Sonntag, 12. Juni 2011

Wie im Kino: Er saß im falschen Zug

Schweriner Volkszeitung, 3.6.2011

Im Union-Theater in der Wollweberstraße flimmerte mit “Die Puppe” einer der ersten Stummfilme über die Leinwand. Im Publikum Eckhard Rietsch mit seiner Familie. Er ist einer von drei Enkeln des einstigen Perleberger Kinobegründers. .

Die Tränen eines Jungstars

Märkische Allgemeine

Mit dem diesjährigen Kulturlandprojekt in Perleberg wird … auf die Geschichte des Kinos in der Rolandstadt aufmerksam gemacht. …

Das erste Kino der Rolandstadt – so ist es in den Archiven überliefert – wurde 1912 in der Wollweberstraße gegründet. Franz Rietsch ließ dort das Union-Theater errichten. Wie Joachim Kober berichtet, muss es jedoch eine Art Vorläufer gegeben haben. Denn Filme sahen die Perleberger schon vor der Zeit des Union-Theaters.

In der Judenstraße – heute Parchimer Straße – bestand eine Filmstube. Davon habe ihm seine Mutter oft erzählt, erinnert sich Joachim Kober. 1910 erhielt die damals 14-Jährige eine Anstellung als Kinder- und Hausmädchen bei der Familie Tuchfeld, die in der Judenstraße eine Färberei führte. Haus und Betrieb befanden sich rechts neben dem Judenhof. Auf der anderen Straßenseite – schräg gegenüber – existierte damals ein flaches Gebäude, in dem die Perleberger Stummfilme sahen. Geräusche oder musikalische Untermalung steuerten ein Geiger oder ein Klavierspieler bei. Da die 14-Jährige nur wenig Geld besaß, blieb der Besuch dieser Kinostube ein unerfüllter Wunsch.

Eine cineastische Geschichte

Vorarlberg Online – Das Nachrichten Portal

In den 1930er- Jahren unterlegte Opa Fink die Stummfilme live mit seiner Musik. Und auch sein Deutschprofessor, selbst Aktivist der „Aktion für gute Filme“, …

Filmgenuss in der Loge

Frankenpost

Dieter Machon blickt beim Historischen Club zurück auf die Geschichte der Marktredwitzer Kinos. Er erinnert an “LuLi”, “KaLi” und Capitol.

Erste Fotos aus Anères

Donnerstag, 09. Juni 2011

Unter dem Titel Quelques photos pour commencer… zeigt das Stummfilmfestival in Anères erste Bilder des diesjährigen Festivals.

Das 13. Festival dauert noch bis zum 12. Juni. Mehr auf der Festivalseite, etwas ältere Informationen hat es noch bei Stummfilm.info.

Samstag, Abschlusstag in Pordenone 2009

Samstag, 10. Oktober 2009

Der letzte Tag beim diesjährigen Stummfilmfestival beginnt mit Filmschnipseln des frühen Kinos, begleitet von den zwei Musikern der Masterclass (Miye Yanashita und Cyrus Gabriysch).
Für mich ganz interessant war ‘The Sinking of the Lusitania’ von Winsor McCay. Winsor McCay war in einem der Vorjahre ein Schwerpunkt, aber ich meine den Film gab es damals nur im Rahmen einer Art ‘The making of’ in Ausschnitten zu sehen. Hübsch war auch ‘The Teddy Bears’ mit knuffeligen Bären in den Hauptrollen. Und die Musiker hatten einmal echte Probleme einen 5-Sekunden-Schnipsel zu begleiten. Kaum angefangen, schon war der Schnipsel unerwartet vorbei.

Der Vormittag ging dann mit einem weiteren Glanzwerk weiter. Der dänische Film ‘The Master of the House’ beschrieb eine inzwischen unübliche häusliche Gesamtsituation, in der der Mann einen übelgelaunten Haustyrannen spielt und die Hausfrau sich für Mann und Kinder aufopfert. Als sie kurz vor dem Zusammenbruch steht wird sie von ihrer Mutter und dem ehemaligen Kindermädchen des Mannes zur Erholung geschickt und für den Mann beginnt eine Umerziehung. Als er seine Fehler einsieht kommt sie wieder zurück. Insgesamt amüsant, man sieht aber auch, das der emanzipatorische Ansatz nicht sehr weit geht. Die Tochter hilft immer bereitwillig im Haushalt, während der Sohn auf der Straße spielt und die Geschlechterrollen werden nie in Frage gestellt.

Am Nachmittag gibt es dann erneut einen Block mit Detektivfilmen, danach folgte der Dreyer-Film ‘Die Gezeichneten’, ein Film über die Anzettelung eines Judenprogramms um 1905 in Russland.

Das Programm für den Nachmittag schließt heute etwas früher, am Abend gibt es dann den Film ‘Ukulelescope’ , begleitet vom ‘Ukulele Orchestra of Great Britain’. Das Orchester begleitet eine Auswahl von Kurzfilmen des British Film Institute. Ich freu mich schon!

Freitag in Pordenone: Clowns, Masterclass, Korsika und eine Anklage

Samstag, 10. Oktober 2009

Der Freitag startet mit dem Film ‘Ein Mädel und drei Clowns’ (GB/D, 1928) – ein Stück passend zum Thema häusliche Gewalt im Zirkusumfeld. Eine netter Film mit zu erwartendem Ende – Sie bekommt Ihn und der Bösewicht die Strafe. Ich fragte mich nur warum die Mutter in der Geschichte ihren Mann verlies und die Tochter bei ihm zurücklies. Ok, ohne die damalige Flucht könnte die Tochter Jahre später nicht die Geschichte auslösen die die Basis des Filmes bildet. Begleitet wurde der Film von Günter Buchwald.

Die darauf folgende Masterclass leitet erneut Gabriel Thibaudeau, als Gast hat er eine Bühnendirektorin mit der er etwas über Themenstränge und Dramatik reden will (was er dann aber kaum dazu kommt). Er verrät nochmal einige Tricks aus seiner Trickkiste, zum Beispiel wie Züge klingen (und dabei kurz auf eine Diskussion über die unterschiedlichen Klänge britischer und amerikanischer Züge hinzuweisen). Die ebenfalls anwesende Maud Nelissen (Dirigentin der Eröffnungsveranstaltung) zeigte wie Pferde in der Nacht auf dem Klavier gespielt werden können.

Danach wurden wieder Auszüge aus Filmen gezeigt. Die gleichen Szenen wurden nacheinander von den beiden Masterclass-Musikern begleitet, anschließend spielte Gabriel Thibaudeau die DVD mit der von ihm erzeugten Vertonung ab. Dabei gab es interessante Parallelen, aber auch massive Unterschiede der Vertonungen. Es wurde nochmal darauf hingewiesen, das es keine falsche Begleitung gibt, nur unterschiedliche Interpretationen. Donald Sosin stellte noch eine weitere Idee zu einer Szene vor, meinte aber, dazu muss man vorher schon ein Motiv einführen. Thibaudeau grinste nur und spielte sein Motiv dieser Szene vor.

Am Nachmittag folgen wieder einige Detektivgeschichten in der Sherlock-Reihe, gefolgt von einem britischen Film (’The Wheels of Chance’), den man jederzeit als Werbefilm zum Fahrrad fahren einsetzen könnte. Die zwei Themenstränge eines jungen Stoffverkäuferassistenten der mit dem Rad in den Urlaub fährt und einer jungen Dame die ebenfalls mit dem Rad der heimatlichen Enge, finden zusammen als der Junge ihr seine Hilfe anbietet sie gemeinsam durch die Gegend radeln.

Nach dem britischen Film kommt ein fast zweistündiger französischer Film, der auf Korsika spielt. In ‘L’Île Enchantée’ stoßen der edelmütige Korse und Naturbursche (zwar ein Mörder, aber nur der Tradition gehorchend und auch immer wieder zeigend was für ein guter Mensch er ist und ganz nebenbei auch Arzt) auf die fortschrittliche Ingenieurin die in Korsika versucht ein Kraftwerk zu bauen. So verschieden die Grundhaltungen sind, sie finden doch zusammen – und doch wieder nicht. Viel Drama, gute Musik von Cyrus Gabriysch – aber muss das so lange sein?

Nach dem französischen Film graute mir schon vor dem Abendfilm. ‘J’Accuse’ dauert 192 Minuten – über drei Stunden. Und das Thema 1. Weltkrieg und dessen Grausamkeit versprach jetzt nicht eine bequeme Veranstaltung. Trotz der über drei Stunden und einer nicht unbedingt flotten Handlung – der Film fließt eher gemächlich mit 16 Bildern/Sekunde – fand ich den Film allerdings nicht langatmig. Die Bilder faszinierten und die Musik von Stephen Horn (Piano/Flöte) untermalten den Film wunderbar. Ich langweilte mich im Gegensatz zum Vorfilm nicht.

Die Kopie zu J’Accuse wurde vom niederländischen Filmmuseum neu restauriert und hier in Pordenone erstmals international aufgeführt. Danach geht er weiter und es besteht die gute Chance, das der Film demnächst auf weiteren Festivals gezeigt wird. Absolut sehenswert, aber man darf keine leichte Unterhaltung erwarten.

Donnerstag in Pordenone: Corrick-Collection, Masterclass und verschiedene Komödien

Samstag, 10. Oktober 2009

Mein Tag begann mit einer Wiederholung des ‘The Corrick Collection – 1′ Programmes. Das ich vergangenen Sonntag nicht gesehen habe. Gabriel Thibaudeau begleitete neun Filmchen in der Länge von jeweils 5-15 Minuten. Darunter waren Komödchen, Dolumentationen aus verschiedenen Ländern und Zeiten. Ein insgesamt unterhaltsames Morgenprogramm dessen langweilige Teile auch immer schnell vorbei waren. Den zweiten Teil der Corrick Collection sah ich mir dann zugunsten der Masterclass nicht an.

Die Masterclass an diesem Donnerstag war mal wieder eine sich lohnende Veranstaltung. Es wurden im Laufe der Klasse zwei Filme gezeigt (jeweils so ca. eine halbe Stunde) die abwechselnd von den zwei Masterclass-Schülern begleitet wurden. Dazu gab es dann jeweils noch kleine Gesprächsrunden zwischendrin über Filmverständnis und Tipps zum Stummfilm begleiten. Lehrer war diesmal Neil Brandt, später stieß noch von Gabriel Thibaudeau hinzu.

Es gab jede Menge Tipps und Informationsschnippsel rund um Stummfilmbegleitung, es war für die Zuschauer und für die zwei Schüler unterhaltsame zwei Stunden. Amüsant waren so kleine Seitenhiebe auf die Handlungsstränge (Mannwerdung bedeutet das Mädchen zu bekommen das man will und böse Jungs bestraft man, dieser Männlichkeitsbegriff sei doch sehr 1920-er like.)

Als Gabriel Thibaudeau dazukommt gibt er ein paar Tipps aus dem ‘Silent Film Pianist Survival Kit’. So meint er man sollte im Verhältnis 50/50 auf Klaviatur und Leinwand sehen, bei schnellen Komödien max. 2 Sekunden auf die Tasten schauen, sonst verliert man zuviel Story.

Und generell sollte man Mut zu seiner eigene Musik zeigen. Dazu hatte er eine Anekdote aus Bologna zur Hand. Auf den Ruf aus dem Publikum ‘Sie haben den Film mit ihrer Musik zerstört’ kam ebenfalls aus dem Publikum der Ruf ‘Ich habe gerade die Filmrollen gesehen, sie scheinen noch in Ordnung zu sein.’ Thibaudeaus Folgerung daraus: Mit der Musik kann man keine Filme physikalisch zerstören, habt Mut.

Daneben zeigte er etwas Klaviertechnik und wie man Harfen und Glocken nachbilden kann. Ebenfalls zeigte er, wie man mit einer Kreditkarte (”Don’t take your credit card, take some of this air craft company cards”) und dem Klavier Geräusche für Horror- und Angstszenarien machen kann (ein paarmal über die Saiten kratzen). Und als spezieller Tipp für das Klavier in dem Veranstaltungsraum: ‘Put some oil on the pedals’ (schon die ganzen Tage quietschte das Klavier).

Bei Textverständisproblemem empfahl er eine Analyse der Körpersprache und die Platzierung der Darsteller. Werden zwei Leute nacheinander gezeigt oder zusammen? Haben sie die gleiche Größe:?Werden zwei Leute beim ersten gemeinsamen Auftritt zusammen in gleicher Größe gezeigt, so wäre das ein Indiz auf eine schon bestehende Beziehung. Beim Nacheinander kommen lernen sie sich vermutlich erst noch kennen.

Nach der Masterclass gab es noch einen der ersten afrikanischen Filme zu sehen. ‘The Rose of Rhodesia’, begleitet von Philip Carli (da folgt vermutlich noch ein Blog-Artikel)

Darauf folgend gab es in einem größeren Rahmen noch mal den Film ‘On Strike’ der bereits am Sonntag im Rahmen des Collegiums gezeigt wurde. Der Hauptfilm am diesem Nachmittag war dann ‘L’Heureuse Mort’ eine amüsante Komödie über einen erfolglosen und untalentierten (?) Autor, der nach seinem Unglückstod in der Nordsee als großer französischer Autor erkannt wird und dessen Stücke fortan erfolgreich in die Theater kommt und dessen Werke erfolgreich vermarktet werden. Leider klappte es mit seinem Tod aber nicht ganz, er überlebte das Unglück und tritt fortan als sein aus dem Senegal zurückgekehrter Bruder auf und entdeckt zusammen mit seiner Witwe immer wieder neue Werke aus dem Vermächtnis. Kompliziert wird es, als sein Bruder wirklich kommt um den Betrüger zu enttarnen. Eine amüsante Geschichte bei der man trotz Nachmittagsmüdigkeit gerne wach bleibt. Die Spätnachmittagsfilme aus der Sherlock-Reihe lasse ich zugunsten eines kleinen Schläfchen aber dann doch ausfallen.

Der Abend beginnt mit einem kurzen ‘Eventi Speciale’: The Frederico Mission Movie Kit’ begleitet den Chaplin-Film ‘The Rink’. Obwohl der Film schon oft gesehen wurde macht er mit neuer Musik doch wieder Spaß. Die Musik wurde auf dem diesjährigen ‘Strade del Sole’-Festival in Aosta prämiert.

Als Hauptfilm folgte ‘Der Fürst von Pappenheim’ eine hübsche Komödie über eine Prinzessin, die nicht irgend einen für sie ausgesuchten Prinzen heiraten will, sondern lieber ausbricht um die echte Liebe zu suchen. Zuflucht findet sie als Mannequin bei einem Modehaus und nach vielen Verwicklungen arrangiert sie sich mit dem Prinzen – der ganz zufällig eben der Mann ist, in den sie sich zuvor auch verliebte. Eine zu erwartende Geschichte, aber schön in Szene gesetzt und hervorragend von Donald Sosin begleitet.

Dienstag in Pordenone: Keine Masterclass und keine Jean Darling, dafür nette Komödien

Mittwoch, 07. Oktober 2009

Der Dienstag hatte für mich eine etwas unglückliche Verteilung der Veranstaltungen mit einigen Überschneidungen an Terminen die mich interessiert hätten. Ich habe mich mit Bedauern dazu entschlossen die Masterclass und das ‘Treffen mit Jean Darling’ (An Audience with Jean Darling) ausfallen zu lassen.

Gestartet ist der Tag für mich mit einem kurzen japanischen Film ‘Kurotegumi Sukeroku’ – ein kurzer 16-Minüter über einen Samurai der sich gegen eine Ronin-Bande stellt.

Danach begleitet Phil Carli den österreichischen Film ‘Eine versunkene Welt’ (1922, Alexander Korda). Der Film beginnt nach einem bekannten Schema. Erbprinz verliebt sich in Tänzerin, die Eltern verbieten eine Hochzeit und schicken den Sohn als Kapitän zur Marine. In der Zwischenzeit wird der Tänzerin das Leben schwer gemacht. Sie flieht zu ihrem Geliebten, der aus Trotz einen Skandal provoziert und die Tänzerin heiratet. Dann macht er aus seiner Privatjacht ein Frachtschiff und erklärt der Besatzung das er als Gleicher unter Gleichen alle am Gewinn beteiligt. In der Folge gibt es einige Probleme, da die Besatzung ihren eigenen Willen entwickelt, der Prinz aber eigentlich immer noch gerne bestimmen möchte was geschieht, sich aber immer dem Willen der Besatzung beugt (wobei mir zumindest unklar ist, was der Wille der Besatzung ist, eigentlich kommen immer drei der Besatzung und behaupten sie würden die Besatzung vertreten). Neben dieser politischen Komponente ist die Tänzerin über ihr Leben als Doch-Nicht-Prinzessin-Gewordene enttäuscht. Insgesamt eine Geschichte mit einigen Schwächen.

Nach der versunkenen Welt kommen dann noch zwei knapp 3/4-stündigen Filme mit Pola Negri und Francesca Bertini. (Wenn das Herz in Hass erglüht begleitet von John Sweeney/Amore senza Stima begleitet von Antonio Coppola). Bei mir hinterließen beide Filme ganz im Gegensatz zum folgenden Film keinen bleibenden Eindruck.

Parallel zur ‘Audience with Jean Darling’ begleitete Stephen Horne den deutschen Film ‘Die Kleine vom Varieté’ (1926). Die Tägliche Rundschau schrieb 1926 zu dem Film: “Messer blitzen, Revolver krachen, es regnet Küsse und hagelt Ohrfeigen.” Und sie hatten recht, Ossi Oswalda wirbelt im Film und es entwickelt sich eine amüsante Geschichte rund um die Partnerwahl und Verwandte die sich gerne bei der Wahl einmischen.

Nach der Komödie gab es in der Sherlock-Holmes Reihe noch zwei Filme, begleitet von Philip Carli. Der Film ‘The Sign of four’ (GB, 1923) beeindruckte vor allem durch eine wilde Verfolgungsjagt über und unter den Brücken von London.

Am frühen Abend gab es dann zumindest für mich den Abschlussfilm: ‘Dom na trubnoi ‘ (The House on Trubnaya Square, UdSSR 1928). Eine schöne Komödie über eine junge Frau, die vom Land in die Stadt geht und als Haushaltshilfe ausgenutzt wird. Aber sie hat Glück, sie wird Mitglied in der Gewerkschaft und bekommt ihre Rechte erklärt. Gefallen hat mir die Darstellerin der Frau (Vera Maretskaia) die wunderbar eine ländliche Einfalt darstellt ohne lächerlich zu wirken. Musikalisch begleitete Günter Buchwald den Film.

Collegium: Film Repatriation

Dienstag, 06. Oktober 2009

Hier noch der versprochene Artikel zum Collegium-Thema Film Re­patriation. Unter dem Thema “Film Repatriation” wird ein Ko­opera­tions­projekt der ‘National Film Preservation Foundation’ (NFPF), australischer und US-amerikanischer Film­archive vorgestellt.

Australien besitzt Filmkopien amerikanischer Filme, für deren Erhalt keine Finanzmittel vorliegen, da sie aus australischer Sicht nicht so wichtig sind. Aus amerikanischer Sicht können aber filmhistorisch bedeutsame Werke enthalten sein. Die NPFP vermittelte hier und stellte Finanzmittel bereit um die Filme für die Zukunft zu sichern.

In einer Vorbereitungsphase stellte das australische Archiv eine Übersicht über die Filme, die US-Archive identifizierten dann für sie wichtige Filme. Die Filme wurden nach Amsterdam zu Haghefilm gebracht und dort restauriert, kopiert und digitalisiert. Die Nitratoriginal gingen wieder zurück nach Australien, die im Restaurierungsprozess entstandenen Negative und Filmabzüge wurden auf Archive in den USA und in Australien gebracht. Das ganze wurde als win-win-win-Situation beschrieben. Australien behält seine Original, hat sie aber erst mal wieder in einem gesicherten Zustand. Zusätzlich gibt es Abzüge die vorgeführt werden können. Die US-Archive bekommen neue Negative und ebenfalls Filmkopien.

Das Ganze wurde als ein neues Verfahren vorgestellt, bisher war eine Zurückführung in des Originalland meist ein Verlagern der Originale, bei denen das “schenkende” Archiv meist eine Filmkopie der Restaurierung erhielt. Aber das Original war weg. Von dem hier vorgestellten Konzept der Kooperation erwarten sich die Archive Positives für den Erhalt der Filme, da ein Archiv seine Originale behalten kann, auch wenn es von einem anderen Archiv restauriert wird. Insgesamt wurde festgestellt, das sich die Archive nur kooperativ zeigen müssen, dann ist eine zufriedenstellende Zusammerarbeit gut möglich. Leider gibt es aber viele Beispiele, bei denen Archive Filme lieber versteckt halten bis sie unrettbar verloren sind, statt Kooperationen zu suchen.

Viele der Probleme liegen in verschiedenen Auffassungen zur Aufgabe nationaler Filmarchive vergraben. Sollen sie nationale Filme, bzw. Filme mit nationaler Beteiligung aufbewahren und sichern (eigene Filmschatz) oder soll archiviert werden, was im Lande verfügbar ist und damit sichern, was der zeitgenössischen Bevölkerung bekannt war, also auch ausländische Produktionen. Ein Randproblem zeigt sich auch bei internationalen Co-Produktionen. Niemand fühlte sich zuständig diese Filme zu sichern, dafür sollen die anderen beteiligten Nationen ihre Archive zur Verfügung stellen.

Die neue Art der Kooperation soll diese Problematik entschärfen, da kein Archiv befürchten muss seine Schätze zu verlieren. Es wurde der Vergleich gemacht mit dem Fund eines Leonardo da Vinci-Gemäldes. Niemand würde da Bild nach Italien geben, da es dort gemalt wurde. Aber bei Filmen war es bisher üblich die Filme wegzugeben und nur eine Kopie zurück zu erhalten.

Sechs der in diesem Projekt restaurierten Filme sind im Internet verfügbar, bei zweien ist die rechtliche Situation nicht ganz geklärt. Mehr über die Filme und das Projekt kann man bei http://www.filmpreservation.org/projects/filmconnection.html nachlesen, ich hoffe ich komme nach Pordenone noch dazu einen Nachtrag zu schreiben.

Pordenone am Sonntag I

Montag, 05. Oktober 2009

Am Sonntag habe ich erst mal ausgeschlafen und habe die ersten Filmreihe ausfallen lassen. Weiter ging es für mich mit einem netten Achtminüter über einen Pfadfinder, der sich als cleverer Ban­diten­fänger erweist. Danach folgte eine Folge eines Fu-Manchu-Krimis. Viele der Kniffe aus späteren Reihen finden sich schon dort (Stühle, die sich als Fallen erweisen, Falltüren, Geheimtüren,…).
Danach folgt mit “Der Hund von Baskerville” schließlich ein etwas längerer Sherlock-Holmes Film. Das ganze begleitet von John Sweeney am Klavier.

Nach den Filmen besuche ich das Collegium und höre mir eine Diskussion zu “Film Repatration” an (eigener Beitrag folgt dazu).

Am Nachmittag folgt “La vie merveilleuse de Bernadette”, eine religiöser Film über die heilige Bernadette und ein Mädchen, das in Lourdes wundersam geheilt wird. Der Film ist etwa so furchtbar wie die beschreibung erahnen lässt, nur das schöne Klavierspiel von Gabriel Thibaudeau macht die Vorstellung erträglich.

Verpasst: Kino unter den Brücken

Montag, 12. Januar 2009

Leider zu spät für eine Ankündigung: Das Mobile Kino Nürnberg startet ihr Kinojahr jedes Neujahr mit einem kostenlosen Open-Air-Kino unter der Johannisbrücke.

Dieses Jahr gab es mit der Bergkatze einen Stummfilm. Die Roth-Hilpoltsteiner-Volkszeitung berichtete über die Veranstaltung.

Die Musiker Miller the Killer und Conny Corretto kann man übrigens bei den 13. StummFilmMusikTage 2009 am 24. Januar hören.

Metropolis auf dem Kino auf der Burg in Esslingen

Samstag, 02. August 2008

Einer der Gründe zu Wahl meines dieswöchigen Stummfilm der Woche war, das ich die Veranstaltung selbst besuchen konnte.

Im Innenhof der Esslinger Burg (eigentlich keine echte Burg, es handelt sich um einen Teil der mittelalterlichen Ver­teidigungs­anlagen der Stadt Esslingen) wurde beim Open Air “Kino auf der Burg” Metropolis gezeigt. Die Veranstaltung begann bei herrlichstem Sonnenschein und warmen Wetter kurz nach acht Uhr mit jazziger Livemusik der Gruppe Banana Jazz Trio. Begleitet von der Musik kann man sich erst mal einen Sitzplatz oder einen Liege­platz auf der Wiese suchen und anschließend die Gastronomie im Burg­innen­hof inspizieren. Mit einem leckeren eritäischen Injera und einem indischen Mango-Lassi gestärkt konnte ich mich auf den Hauptfilm freuen.

Eine Seite der Burgmauer ist von einer Leinwand verdeckt, davor stehen rechts und links je zwei Flügel. Keine Ahnung was geplant war, wenn es angefangen hätte zu regnen, aber vermutlich stan­den irgendwo Zelte zum Schutz der Flügel bereit. Aber zum Glück war es unnötig, das Wetter blieb warm und trocken. So konnte man zwischen dem Blick auf die Leinwand und in den Sternenhimmel wechseln, so manche Strenschnuppe lenkte kurzzeitig vom Film ab. Die Atmosphäre war mal wieder wunderbar und im Gegensatz zu Vorjahren konnte man sich dank Rauchverbot auch an der lauen Nachtluft erfreuen. Das Kino auf der Burg trägt zurecht den Titel Das schönste Kino zwischen Himmel und Erde.

Nach Anmoderation und einen kleinen Vorfilm begann die Haupt­veranstaltung des Abends. Metropolis wurde in der Moderation unter anderem als einziger Film mit dem Unesco-Titel “Welt­dokumenten­erbe” angekündigt – was nicht stimmt, aber da folgt noch ein kurzer Blogartikel.

Wie zu erwarten passt Gottfried Huppertz ‘ Original-Musik aus den 20er-Jahren gut zu dem Film, die zwei Pianisten harmonierten gut indem sie wechselweise Parts übernahmen oder auch im Zusammen­spiel den Film begleiteten. Besondere Spannung hatte das Stück für mich, da es die dritte Vertonung von Metropolis. war, die ich in kurzer Zeit zu hören bekam. Während mir Harry Kulzers Version nicht so gefiel, war ich von Antonio Bras begeistert. Die jetzt gehörte Version gefiel mir auch sehr gut, auch wenn es am Beginn Schwierigkeiten hatte mit Bras Version mitzuhalten. Mit Verlauf des Films konnte die Klavierbegleitung aber gut mithalten.

Am Film faszinierten mich diesmal die fehlenden Szenen, die in der Zwischenzeit wiedergefunden wurden. Ich freue mich schon zu sehen, was in Yoshiwara passiert und welche Bedeutung ‘der Lange’ wirklich hat. In der bisherigen Fassung ist er ja nur eine Rand­figur. Mal schauen, vielleicht gibt es diesen Herbst ein paar der Szenen in Pordenone zu sehen.