Einer der Gründe zu Wahl meines dieswöchigen Stummfilm der Woche war, das ich die Veranstaltung selbst besuchen konnte.
Im Innenhof der Esslinger Burg (eigentlich keine echte Burg, es handelt sich um einen Teil der mittelalterlichen Verteidigungsanlagen der Stadt Esslingen) wurde beim Open Air “Kino auf der Burg” Metropolis gezeigt. Die Veranstaltung begann bei herrlichstem Sonnenschein und warmen Wetter kurz nach acht Uhr mit jazziger Livemusik der Gruppe Banana Jazz Trio. Begleitet von der Musik kann man sich erst mal einen Sitzplatz oder einen Liegeplatz auf der Wiese suchen und anschließend die Gastronomie im Burginnenhof inspizieren. Mit einem leckeren eritäischen Injera und einem indischen Mango-Lassi gestärkt konnte ich mich auf den Hauptfilm freuen.
Eine Seite der Burgmauer ist von einer Leinwand verdeckt, davor stehen rechts und links je zwei Flügel. Keine Ahnung was geplant war, wenn es angefangen hätte zu regnen, aber vermutlich standen irgendwo Zelte zum Schutz der Flügel bereit. Aber zum Glück war es unnötig, das Wetter blieb warm und trocken. So konnte man zwischen dem Blick auf die Leinwand und in den Sternenhimmel wechseln, so manche Strenschnuppe lenkte kurzzeitig vom Film ab. Die Atmosphäre war mal wieder wunderbar und im Gegensatz zu Vorjahren konnte man sich dank Rauchverbot auch an der lauen Nachtluft erfreuen. Das Kino auf der Burg trägt zurecht den Titel Das schönste Kino zwischen Himmel und Erde.
Nach Anmoderation und einen kleinen Vorfilm begann die Hauptveranstaltung des Abends. Metropolis wurde in der Moderation unter anderem als einziger Film mit dem Unesco-Titel “Weltdokumentenerbe” angekündigt – was nicht stimmt, aber da folgt noch ein kurzer Blogartikel.
Wie zu erwarten passt Gottfried Huppertz ‘ Original-Musik aus den 20er-Jahren gut zu dem Film, die zwei Pianisten harmonierten gut indem sie wechselweise Parts übernahmen oder auch im Zusammenspiel den Film begleiteten. Besondere Spannung hatte das Stück für mich, da es die dritte Vertonung von Metropolis. war, die ich in kurzer Zeit zu hören bekam. Während mir Harry Kulzers Version nicht so gefiel, war ich von Antonio Bras begeistert. Die jetzt gehörte Version gefiel mir auch sehr gut, auch wenn es am Beginn Schwierigkeiten hatte mit Bras Version mitzuhalten. Mit Verlauf des Films konnte die Klavierbegleitung aber gut mithalten.
Am Film faszinierten mich diesmal die fehlenden Szenen, die in der Zwischenzeit wiedergefunden wurden. Ich freue mich schon zu sehen, was in Yoshiwara passiert und welche Bedeutung ‘der Lange’ wirklich hat. In der bisherigen Fassung ist er ja nur eine Randfigur. Mal schauen, vielleicht gibt es diesen Herbst ein paar der Szenen in Pordenone zu sehen.