Mit ‘Carmen’ getaggte Artikel

Himmel auf Zeit – die 20er Jahre in Hamburg

Freitag, 09. April 2010

In Hamburg findet seit dem 1. April das Festival Himmel auf Zeit statt.

Das Festival zeigt die spannende Kulturszene der zwanziger Jahre: bedeutende Maler, Schriftsteller, Musiker, Tänzer, Architekten, Regisseure, Fotografen und Schauspieler prägten die Hansestadt.

Mit dabei sind natürlich auch Stummfilme. Bereits am 3.4. lief von Werner Loll begleitete der Film Brüder. Morgen am 10.4. gibt es Die Carmen von St. Pauli mit Klavierbegleitung durch Marie Luise Bolte Am 24.4. gibt es mit Melodie der Welt den ersten lange deutsche Tonfilm, produziert von der Hamburger Reederei Hapag und der Tobis.

Daneben hat es natürlich weitere Veranstaltungen, die den Flair der klassischen Stummfilmzeit wiederbeleben.

Details gibt es im Internet bei http://www.himmelaufzeit.de

Montag in Pordenone: Filme, Masterclass und ein enttäuschendes Collegium

Mittwoch, 07. Oktober 2009

Der Montag begann für mich mit dem Film ‘Grazielle’ (Programmheft, Seite 114f). Schöne Musik, aber eine ausgesprochen kitschige Liebes­geschichte. Das Ende ist dann aber doch etwas über­raschend. Der Liebhaber reist zu seiner todkranken Mutter und erhält dann dort einen Brief seiner Geliebten, das sie schwer erkrankt sei und binnen drei Tagen sterben würde. Aber ansonsten eine vorhersehbare Geschichte.

Danach ging ich zu einer Veranstaltung auf die ich mich schon freute: Die Masterclass. Zwei Pianisten werden von den erfahrenen Stummfilmmusikern des Festivals in die höheren Weihen der Stummfilmbegleitung eingeweiht. Die diesjährigen Aspiranten sind Miye Yanashita (Japan) und Cyrus Gabriysch (Großbritanien).

Die erste Masterclass durfte Günther Buchwald halten. Nach einer kurzen Einführung ging es mit einer kleinen Bewegungsübung los. Günther Buchwald spielte ein Stück, die zwei Aspiranten sollten sich in dem Tempo der Musik im Raum bewegen. Danach wurde es gedreht, Günther Buchwald lief im Raum und die Musiker sollten die Musik dazu machen. Danach gab es Filmbeispiele mit verschiedenen Kombinationen der Begleitung (die Musiker alleine, zwei Pianisten, einer am Klavier, Günther Buchwald dazu auf der Violine…). Insgesamt eine nette Stunde, aber man merkte, das die Aspiranten sich noch nicht ganz wohl fühlen und sich erst in die Atmosphäre einleben müssen. Aber es sieht vielversprechend für die weiteren Termine aus.

Danach kam dann ein leider etwas enttäuschendes Collegium unter dem Titel ‘From Grain to Pixel’. Schon beim Lesen des Pro­gramm­heftes war mir klar, das ich zu diesem zweiten Collegium gehen werde.

Giovanni Fossati hielt einen Vortrag mit einer PowerPoint-Präsentation. Leider widersprach diese Variante dem Ziel des Collegiums – einem Gespräch bzw. einer offenen Diskussion. Es entwickelte sich auch keine Diskussion. Das Sie am Ende des Vortrages dann noch Folien über das niederländische Filmmuseum, das dortige Programm und ein Entwurf eines Neubaus mag zwar interessant sein, aber an dieser Stelle leider nicht passend. Nach dem Ende des Vortrages wurde dann die Zeit etwas überzogen und es entwickelte sich über die Nachfragen noch eine kleine Diskussion. Es wurde noch etwas auf die Gefahren der digitalen Restaurierung eingegangen. Als Beispiel wurde eine Szene gezeigt, bei der die automatische digitale Staubentfernung (’dust removal’) einen schnell über den Schirm laufenden Hund teilweise entfernte. Aber letzen Endes kam häufig das gleiche Zitat wie schon in ihrem Vortrag: ‘Da könnte man lange drüber reden, aber in meinem Buch habe ich da viel drüber geschrieben.’

Am Nachmittag gibt es dann wieder Stummfilme in der Diven-Reihe, diesmal sind Asta Nielsen Filme dabei. Neben zwei Kurzfilmen wird ‘Die Geliebte Roswolskys’ gezeigt. Den darauf folgenden Sherlock Holmes lasse ich aus, im Abendprogramm sollte das Sitzfleisch erholt sein.

Im Abendprogramm begleitet Touve Ratovondrahety in über 160 Minuten den Film ‘Carmen’ (Frankreich 1926, Jacques Feyder). Letzes Jahr war Touve Ratovondrahety einer der zwei Masterclass-Schülern und er überzeugte mich damals nicht, er war mir damals zu laut. Das er in die Tasten hauen kann beweis er auch zu Carmen wieder und er hatte auch genügend Anlass im Film dazu. Aber er spielte in ruhigen Phasen auch ruhiger – er kann also wenn er will (oder er hat dazugelernt). Schöner Film, im gesamten auch gute Musik, aber über 2 1/2 Stunden Film sind zuviel.

Im Spätprogramm gab es Filme der Jugoslovenska Kinotek die als ‘Adults Only’ angekündigt waren. David Robinson wies vor den Filmen auch noch mit deutlichen Worten darauf hin, das nur erotisches Material kommen würde, und das weder der sich davon evtl. abgestoßen füllen würde jetzt doch bitte den Raum verlassen sollte. Währen der Bedenkzeit spielten dann Donald Sosin und Günter Buchwald schon mal etwas frivolere Musik bevor es dann los ging. Sagen wir es mal so: Es war eindeutig pornografisches Material, die Bildqualität mäßig, der Saal amüsiert und die Musik stilvoll und passend.