Mit ‘Festivalbericht’ getaggte Artikel

Samstag, Abschlusstag in Pordenone 2009

Samstag, 10. Oktober 2009

Der letzte Tag beim diesjährigen Stummfilmfestival beginnt mit Filmschnipseln des frühen Kinos, begleitet von den zwei Musikern der Masterclass (Miye Yanashita und Cyrus Gabriysch).
Für mich ganz interessant war ‘The Sinking of the Lusitania’ von Winsor McCay. Winsor McCay war in einem der Vorjahre ein Schwerpunkt, aber ich meine den Film gab es damals nur im Rahmen einer Art ‘The making of’ in Ausschnitten zu sehen. Hübsch war auch ‘The Teddy Bears’ mit knuffeligen Bären in den Hauptrollen. Und die Musiker hatten einmal echte Probleme einen 5-Sekunden-Schnipsel zu begleiten. Kaum angefangen, schon war der Schnipsel unerwartet vorbei.

Der Vormittag ging dann mit einem weiteren Glanzwerk weiter. Der dänische Film ‘The Master of the House’ beschrieb eine inzwischen unübliche häusliche Gesamtsituation, in der der Mann einen übelgelaunten Haustyrannen spielt und die Hausfrau sich für Mann und Kinder aufopfert. Als sie kurz vor dem Zusammenbruch steht wird sie von ihrer Mutter und dem ehemaligen Kindermädchen des Mannes zur Erholung geschickt und für den Mann beginnt eine Umerziehung. Als er seine Fehler einsieht kommt sie wieder zurück. Insgesamt amüsant, man sieht aber auch, das der emanzipatorische Ansatz nicht sehr weit geht. Die Tochter hilft immer bereitwillig im Haushalt, während der Sohn auf der Straße spielt und die Geschlechterrollen werden nie in Frage gestellt.

Am Nachmittag gibt es dann erneut einen Block mit Detektivfilmen, danach folgte der Dreyer-Film ‘Die Gezeichneten’, ein Film über die Anzettelung eines Judenprogramms um 1905 in Russland.

Das Programm für den Nachmittag schließt heute etwas früher, am Abend gibt es dann den Film ‘Ukulelescope’ , begleitet vom ‘Ukulele Orchestra of Great Britain’. Das Orchester begleitet eine Auswahl von Kurzfilmen des British Film Institute. Ich freu mich schon!

Pordenone am Sonntag II

Montag, 05. Oktober 2009

Am späten Nachmittag gibt es dann wieder wie letztes Jahr eine Vorführung mit musikalischer Begleitung durch zwei Klassen einer Musikschule aus der Gegend. Entsprechend war das Kino auch mit eher Festivaluntypischem Publikum gefüllt – Eltern und Geschwister der Musikanten sind anwesend und das Kinderlachen wird die Stimmung doch etwas auflockern.

Gezeigt werden zwei Comedys mit Charlie Chaplin und Buster Keaton. Das ganze startet mit dem Chaplin-Film ‘A night in the show’. Die Begleitmusik wiederholt häufig identische Motive und ich habe nicht den Eindruck das es wirklich auf den Film abgestimmt ist.

Der anschließende Keaton-Film (The Playhouse) gefiel mir schon besser. Buster Keaton geht ins Theater zu Keaton-Vorstellung. Keaton spielt jede Rolle, jeder Zuschauer ist Buster Keaton, von jung bis alt, ob Frau oder Mann. Ganz nett, als ein Zuschauer (Keaton) das Programm liest und in der Besetzung immer Buster Keaton vorkommt. Die Musik erschien mir abgestimmter und mir fielen keine sich wiederholenden Themen unangenehm auf.

In der Abendvorstellung wird ‘The Eagle’ gezeigt. Kurz zusammengefasst: Zorro in Rußland. Ein russischer Offizier weigert sich der Geliebte der Zarin zu werden und flieht in seine alte Heimat in der seine Familie inzwischen ihren Besitz durch Betrug verloren hat. Der Held will Rache nehmen und tritt als Zorro-maskierter Rächer auf. Wie zu erwarten verliebt er sich natürlich in die hübsche Tochter

Das ganze auf 160 Minuten gezogen und mit einem Soundtrack von Carl Davis. Und prompt gab es zweimal Probleme mit der Technik und es gab Tonausfälle. An sich ein ganz netter Film und eine tolle Vertonung, aber mir wäre es simples Klavier lieber gewesen als die Musik aus der Konserve. Gegen ein Live-Orchester hätte ich natürlich auch nichts gehabt ;)

Nach ‘The Eagle’ gab es dann noch was fürs Herz. ‘Daddy’ ist ein herzzerreißender Film mit Jackie Coogan, der einen Jungen spielt, dessen Mutter verstarb und deren Großeltern von ihrer Farm auf eine Armenhof vertrieben wurden. Um Geld zu verdienen geht der kleine Junge in die Stadt, trifft dort einen alten Violinlehrer der ihn aufnimmt. Wie es der Zufall will, war es der ehemalige Lehrer von dem Vaters des Jungen. Und der weltbekannte Vater kommt gerade zufällig in die Stadt…

Eine Schmonzette, wunderbar begleitet von Phil Carli am Klavier und Günther Buchwald an der Violine – schnüff.

Mir schmerzt danach erst mal der Rücken und ich gebe auf, den letzten Film an diesem Abend lasse ich ausfallen.

Pordenone am Sonntag I

Montag, 05. Oktober 2009

Am Sonntag habe ich erst mal ausgeschlafen und habe die ersten Filmreihe ausfallen lassen. Weiter ging es für mich mit einem netten Achtminüter über einen Pfadfinder, der sich als cleverer Ban­diten­fänger erweist. Danach folgte eine Folge eines Fu-Manchu-Krimis. Viele der Kniffe aus späteren Reihen finden sich schon dort (Stühle, die sich als Fallen erweisen, Falltüren, Geheimtüren,…).
Danach folgt mit “Der Hund von Baskerville” schließlich ein etwas längerer Sherlock-Holmes Film. Das ganze begleitet von John Sweeney am Klavier.

Nach den Filmen besuche ich das Collegium und höre mir eine Diskussion zu “Film Repatration” an (eigener Beitrag folgt dazu).

Am Nachmittag folgt “La vie merveilleuse de Bernadette”, eine religiöser Film über die heilige Bernadette und ein Mädchen, das in Lourdes wundersam geheilt wird. Der Film ist etwa so furchtbar wie die beschreibung erahnen lässt, nur das schöne Klavierspiel von Gabriel Thibaudeau macht die Vorstellung erträglich.

In Pordenone angekommen

Samstag, 03. Oktober 2009

Dieses Jahr bin ich schon vor Festivalbeginn angereist und hatte die Möglichkeit in aller Ruhe zu frühstücken und dann gemütlich zur Registrierung zu laufen. Wie jeden Samstag hat es einen Wochen­markt, denn ich auf dem Weg zum Festivalbüro in aller Ruhe anschauen konnte. In den Vorjahren blieb dazu keine Zeit, weil es ja auch Filme zum anschauen gab.

Das Festivalbüro liegt dieses Jahr im Convento di San Francesco, dort wo die letzten Jahre die FilmFair stattfand. Die FilmFair fällt diese Jahr wegen wirtschaftlicher Probleme aus. Die Registrierung ging wie jedes Mal ohne Probleme vor sich, nach Zahlung der Re­gistrierungs­gebühr bekommt man sein Willkommenspaket mit Fe­sti­val­programm und 200-seitigem Programmheft, danach dann noch die Karten für die Eröffnungsveranstaltung besorgen.

Sowohl das Programm (pdf, 1.2MB und als Webseite) als auch das Programmheft (pdf, 3MB) stehen auch im Internet bereit.

Um 14:30 geht es mit dem ersten Film los. Naja, eine nicht so berauschende moralisierende Geschichte über einen zum Ver­brechen getriebenen Offizier. Jahre später holt ihn aber sein Verbrechen wieder ein. Einen Extra-Lacher bekam die auf einer Insel in Lebensgefahr schwebende (bereits erwachsene) Tochter des Offiziers, als sie ber das ca. 20 cm tiefe Wasser gerettet wurde, das sie alleine nicht überwinden konnte – sie wäre ja nass geworden. (Programmheft, Seite 71)

Um 16:00 folgt mit “The Four Just Men” ein Film der mir besser gefiel, was natürlich auch daran liegt, das er im Gegensatz zum vorherigen Film vollständig war. Vier “Gerechte” fordern einen Industriellen auf für seine Arbeiter bessere Arbeitsbedingungen einzuführen, ansonsten würden sie ihn ermorden. Im weiteren versucht die Polizei die Tat zu verhindern und die Gerechten zu fassen. Insgesamt eine runde Geschichte, schön begleitet von Donald Sosin. (Programmheft, Seite 163).

Danach gehe ich nochmal zum Festivalbüro und teste die angebotene Internetverbindung. Wie man an diesem Posting sehen kann funktioniert es ;-) .
Die ersten Fotos und Berichte des Festivals gibt es demnächst auch auf Stummfilm.info.

Pordenone 2008 – erste Bericht

Donnerstag, 09. Oktober 2008

Wie schon leicht angedeutet bin ich dieses Jahr wieder in Pordenone und ich habe etwas Zeit gefunden einen kleinen Bericht auf Stummfilm.info abzulegen.
Man möge einen etwas holprigen Stil verzeihen, die Zeit reicht nicht zum Korrekturlesen ;-)