Mit ‘Filmerbe’ getaggte Artikel

‘Wings’ zerstört

Donnerstag, 12. Februar 2009

Gerade erhielt ich einen Newsletter von Stephan v. Bothmer mit einer erschreckenden Programmänderung, zumindest der Grund ist erschreckend.

Leider muss ich mitteilen, dass die einzige in Deutschland erhältliche Kopie von “Wings” bei kürzlich einer Aufführung zerstört wurde. Wir zeigen stattdessen den Actionthriller “Submarine” vom Meister Frank Capra…

Weiter teilt er mit:

Dieses Unglück ermuntert mich immer wieder zu mahnen: Unser Filmerbe vergammelt in unseren Archiven. Die verfügbaren Mittel reichen zur Sicherung nicht aus! Viele Filmschätze gehen und sind schon unwiederbringlich verloren. Ich versuche mich mit meinen Mitteln für dieses Erbe einzusetzen: Indem wir die Schätze aus den Archiven holen und wieder einem großen Publikum zu Bewusstsein bringen. Mehr Aufmerksamkeit – mehr Einsicht – mehr Mittel.

Zwei weitere Beispiele: Im Jahr 2005 habe ich auf dem Filmfest Hamburg “Varieté” begleitet. Die Filmkopie wurde dabei vollkommen zerstört. Bisher ist keine neue ausleihbare Kopie erstellt worden (weil die Murnaustiftung an einer neuen Restaurierung arbeitet und kein Geld in die alte Fassung stecken möchte, was ja verständlich ist). Seitdem ist Varieté praktisch nicht mehr aufführbar. Die neue Restaurierung ist nicht in näherer Sicht.

Ein britischer Filmwissenschaftler suchte in zahlreichen Archiven weltweit Überbleibsel von Filmen eines bestimmten Regisseurs zusammen. Einige konnte er in einem Deutschen Archiv sicher stellen. Die Recherche dauerte zwei Jahre. Als er nach Deutschland zurück kehrte, waren die Filmaufnahmen vernichtet worden: zur Sicherung ausländischer Filme stünden keine Mittel mehr bereit. Das waren leider die letzten Kopien, die es von diesen Szenen auf der Welt gab. Wir können nur hoffen, dass ausländische Archiven mit unserem Filmerbe nicht so umgehen. Sonst wären ja auch die jüngst entdeckten Metropolisszenen in Buenos Aires für immer verloren.

Vielleicht sollte man den Begriff Filmarchiv in Zukunft vermeiden und stattdessen Kulturbank sagen, und Filme sind zukünftig ein Kul­tur­investitionsgut. Dann gäbe es vielleicht ein paar Milliarden aus dem Finanzmarktstabilisierungsfond zur Rettung der Bank?

700 Jahre Archiv Sicherheit auf Film versus 400 GByte digitale Daten-Disc

Freitag, 25. Juli 2008

Der Berliner Arbeitskreis Film e.V hat kürzlich einen Blogbeitrag Initiative gegen Verlust des kulturellen Erbes veröffentlicht, indem sie kurz beschreiben, warum digitale Daten (noch) ungeeignet sind um Filme sicher zu archivieren. Eine Konsequenz ist:

Filmemacher, die heute schon digital produzieren, bedeutet das paradoxerweise, dass sie ihre Produktionen auf Film „ausbelichten“ müssen, um in den Genuss der Archivierung zu kommen.

Für die digitale Sicherung gilt:

Sie ist zu unsicher und zehnmal so teuer wie die Speicherung auf 35mm-Polyester-Film, der außerdem bis zu 700 Jahre intakt bleibt.

Nur zum Thema Sicherheit: Der Erhalt der Daten ist eine Sache, das interpretieren eine andere. Was nützt es, wenn man die Bitfolgen noch lesen kann, aber das Format nicht mehr kennt. Es hält sich das Gerücht, das die NASA noch Bänder der Mondflüge hat, aber nicht mehr interpretieren kann, weil das Datenformat unbekannt ist.

Und das ganze wird noch komplizierter – die Medienindustrie arbeitet an einer digitale Rechteverwaltung, deren Ziel es salopp gesagt ist, den Zugang zu den Dateninhalten zu erschweren. Wer garantiert, das jemand in hundert Jahren noch einen Zugangsschlüssel hat?