Mit ‘Hund’ getaggte Artikel

Mittwoch in Pordenone: Masterclass, Memorial Lecture und Restaurieren von Farben

Freitag, 09. Oktober 2009

Der Mittwoch beginnt wieder mit einigen Filmen in der Sherlock-Reihe. Es startet mit einem süßen Hundedetektiv der die Unholde verfolgt und am Ende stellt. Nett die Verfolgungsszene in der der Hund einen Täter verfolgt und jedesmal wenn der Mann sich umdreht der Hund unauffällig an der Ecke wartet oder sich hinter einem Hydranten versteckt um nicht entdeckt zu werden. Und ganz clever: Um ins Haus der Bösewichte zu kommen legt man sich auf die Straße und spielt den abgefahrenen Hund. Die Frau des Unholds hat natürlich sofort Mitleid und nimmt den Hund in die Wohnung.

Nach einem kurzen Fu-Manchu Film beginnt dann der Hauptfilm: ‘William Voss, der Millionenndieb‘. Kurz die Geschichte: Ein Reicher Mann schenkt sein Eigentum einer Wohltätigen Stiftung unter der Voraussetzung, das er bis zu seinem Tode eine jährliche Leibrente bekommt. Aber wider Erwarten stirbt er die nächsten Jahre nicht, sondern lebt weiter von seinem Leibdiener gepflegt weiter. Sherloch Holmes wird gebeten das zu untersuchen und entlarvt den Diener, der den Tod seines Herrn geheim hielt und so die Leibrente über Jahre einkassierte.

Alle Filme des Frühprogramms werden von Donald Sosin begleitet.

Nach dem Frühprogramm gehe ich weiter und besuche eine weitere Masterclass. John Sweeney und Gabriel Thibaudeau geben diesmal Hinweise zur Stummfilmbegleitung. U.a. werden so kleine Tipps gegeen wie: Wenn jemand einen Brief schreibt und den Brief zusammenfaltet, dann stellt euch auf einen Szenenwechsel ein.

Am Mittag gibt es dann im Rahmen der Jonathan Dennis Memorial Lecture einen Vortrag von Edith Kramer zum Thema “Film Programming: Where we’ve been and where we’re going (Arguments with myself)”. Leider habe ich den Anfang verpasst, aber was ich mitbekam war ganz interessant. Wie stellt man ein Filmprogramm zusammen, das einerseits das Publikum interessiert, aber auch filmhistorisch interessant und – und vor allem, das dafür sorgt, das der Nachwuchs auch die Möglichkeit hat sich über die Filmhistorie zu informieren, weiterzubilden und schlussendlich auch die Fackel der Bildung weiter zu tragen.

Weiter ging es für mich mit einer Collegium-Sitzung bei der ich kurz vorbeischaute. Thema war die Restaurierung von Farbe im Stummfilm. Verschiedene Arten der Färbung wurden vorgestellt und verschiedene Arten die Filme mit Farbe zu restaurieren. Dazu gab es dann jeweils Beispiele mit verschiedenen Arten der Farbrestaurierung.

Daneben gab es einen Rückblick über die Geschichte der Farbrestaurierung. In der Anfangszeit wurde Farbe gar nicht archiviert, da es nicht Bestandteil der Filmproduktion war, sondern “nur eine Nachbearbeitung” am Ende der Filmherstellung. Interessant auch die Versuche Farbe zu Restaurieren, indem man versucht die alten Färbeprozesse wieder auf die neuen Filmkopien anzuwenden. Dabei wurde auch gezeigt, wie Analysen mittels einem Röntgenverfahren gemacht wurden. Ein Ergebnis war, das man bei Orangefärbungen vorsichtig sein muss. Es gab Verfahren der Blaufärbung, die langfristig durch chemische Prozesse einen Orangeton ergeben. Nachdem sie das heraus fanden, überprüften sie gezielt orangene Filme beim George Eastman Haus, ob sie wirklich orange waren oder nicht doch blau – sie wurden allerdings nicht fündig.

Am Nachmittag gab es unter dem Titel ‘The Sounds of British Silents‘ eine Veranstaltung, deren Ankündigung spannend klang. Mit John Sweeney am Klavier sollen verschiedene Filme gezeigt werden, bei denen die musikalische Begleitung fixiert war. Das waren zum Teil Platten oder sonstige Tonträger die den Film begleiten, teilweise aber auch Noten speziell für die Filme waren. Eigentlich erwartete ich Hinweise zu den Verfahren, aber die Filme wurden alle ohne weiteren Kommentar gezeigt. Teilweise gab es Ton aus der Konserve, teilweise Live-Klaviermusik. Bei vielen der Filmen hatte die Musik besondere Bedeutund, da Tanzszenen oder ähnliche gezeigt wurde. Bei den Filmen mit Liedtexten wurde dann auch vom Publikum mitgesungen.

Am Abend lud dann Haghefilm zu einer Party im Ridotto del Verdi ein. Die Stummfilmcommunity traf sich dort zu kostenlosen lecker em Essen und leckeren Wein aus Friaul. (Fotos folgen).

Am Abend gab es dann wieder zwei kleine Höhepunkte. Zum einen wurden Neuentdeckungen vom ‘Ballets Russes’ gezeigt. Zwei Filme von 1909 zeigten große Tänzer des russischen Balletts. Als Nicht-Ballett-Interessierten sagten mir die Namen nicht allzu viel, darunter sind Tamara Karsavina (Partnerin von Nijinsky), Alexandra Baldina, Theodore Kosloff. Dank der Recherchearbeiten von John Sweeney wurden die Filme erstmals mit der Originalmusik der Tänze gespielt. Die Tänzerin des folgenden Films von 1924 sagte mir bereits etwas: Anna Pavlova. Gezeigt wurden diverse Tänze die sie in den Fairbanks Studios während der Dreharbeiten für den ‘Dieb von Bagdad’ machte (sie spielt nicht im Film mit, war aber während der Dreharbeiten anwesend und die Kulissen wurden genutzt). Details zu den Ballettfilmen hat es im Programmheft, Seite 109ff.

Nach den Ballettfilmen gab es dann mit ‘Der Golem wie er in die Welt kam’ einen deutsche Klassiker mit einer neuen Partitur von Betty Olivero, gepielt von Cynthia Treggor, Melissa Majoni (je Violine), Lorenzo Rundo (Viola), Serena Mancuso (Violoncello) und Lee Mottram an der Klarinette. Dirigiert hat Günter Buchwald. Sagen wir es so: Die Musik war gut solange sie spielte, die Pausen zwischen drin störten und deren dramaturgischer Sinn erschloss sich mir nicht so ganz. Bei späteren Gesprächen stellte sich heraus, das ich da nicht ganz alleine war. Ansonsten muss ich gestehen: Trotz mehrfachen Sehens, mir gefällt der Film immer noch nicht. Die einzige Szene die mir gefällt ist am Filmende die Szene mit dem Golem und dem Kind.

Berlinale 2008 mit Stummfilmprogramm

Donnerstag, 03. Januar 2008

Auf der Berlinale 2008 vom 7.-17- Februar 2008 werden wieder einige Stummfilme gezeigt.

Darunter gleich viermal Buñuels Un chien andalou (Ein andalusischer Hund, Frankreich 1929). Jedesmal mit einer anderen Stummfilmnegleitung.

Am 9.2.2008 wird der Film zusammen mit einem weiteren Meisterwerk des surrealistischen Films, Jean Epsteins La chute de la maison Usher (Der Untergang des Hauses Usher, Frankreich 1928) gezeigt, bei dem Buñuel als Regieassistent mitarbeitete. Beide Filme werden von den niederländischen Musikern Maud Nelissen, Merima Kljuco und Frido ter Beek begleitet.

Am 17.2.2008 begleitet die spanische Grup Instrumental BCN216 gleich dreimal nacheinander Buñuels Debütfilm, jedesmal mit einer anderen Filmbegleitung:

  • Clonic Mutations des katalanischen Musikers Sergio López, eine klangliche „Entmystifizierung“ von Buñuels Klassiker voll schwarzem Humor,
  • Szénario von Mauricio Kagel, eine Filmkomposition von 1981/82,
  • Las siete vidas de un gato von Martín Matalón, eine freie Assoziation von Bild und Klang.

Neben dem andalusischen Hund gibt es noch weitere Stummfilme.

Aus der Pressemitteilung der Berlinale:

Die Retrospektive stellt außerhalb des Buñuel-Programms vier neu restaurierte Stummfilme als Specials vor: Carl Theodor Dreyers Die Gezeichneten (Deutschland 1921) zeigt eindringlich antisemitische Pogrome und revolutionäre Bewegungen im Russland des frühen 20. Jahrhunderts (Restaurierung Danish Film Institute). Für Robert Reinerts Nerven (Deutschland 1919) findet der Kameramann Helmar Lerski beklemmende Bilder für die vom Ersten Weltkrieg traumatisierten Protagonisten (Restaurierung Filmmuseum München). Die Restaurierung von Schatten der Weltstadt (Willi Wolff, Deutschland 1925) durch die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung macht einen der wenigen erhaltenen Filme mit Ellen Richter, Star des deutschen Sensations- und Abenteuerkinos und Produzentin, wieder zugänglich. Ein weiterer fast vergessener Stummfilmstar, Betty Compson, hat einen großen Auftritt als Belle of Broadway (Harry O. Hoyt, USA 1926) in einem von Sony/Columbia aufwändig restaurierten Film. Maud Nelissen und Joachim Bärenz begleiten die Filme am Klavier.

Nach der Berlinale geht das Programm auf Reisen: Kooperationspartner sind das Österreichische Filmmuseum Wien, das sie im Anschluss präsentiert, und das Filmmuseum München, das die Filme ab März 2008 zeigt. Im Fernsehen begleitet 3sat die Retrospektive ab dem 7. Februar mit der Filmreihe „Der Zauber des Surrealen. Luis Buñuel und die Folgen“.

Metropolis Frankfurt

Mittwoch, 28. März 2007

Zu der am vergangenen Montag stattfindenden Metropolis-Aufführung in Frankfurt gibt es bei pinkblog einen kurzen Bericht.

Hört sich an, als ob dem Ensemble Modern gegen Ende des Films die Musik ausging. Aber soweit zu gehen, die Störung durch ein Telefon zu begrüßen würde ich dann doch nicht gehen.

Das erinnert mich an eine Open-Air Vorstellung von Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens. Damals begann an einer gruseligen Stelle ein Hund an zu jaulen. Passte gut zum Film, im Folgejahr waren dann allerdings trotzdem Hunde auf dem Open Air Gelände verboten.

Die Rhein-Main-Presse äußert sich übrigens ganz positiv über die Vertonung. Scheint aber keine leichte Kost zu sein.