Mit ‘Masterclass’ getaggte Artikel

Donnerstag in Pordenone: Corrick-Collection, Masterclass und verschiedene Komödien

Samstag, 10. Oktober 2009

Mein Tag begann mit einer Wiederholung des ‘The Corrick Collection – 1′ Programmes. Das ich vergangenen Sonntag nicht gesehen habe. Gabriel Thibaudeau begleitete neun Filmchen in der Länge von jeweils 5-15 Minuten. Darunter waren Komödchen, Dolumentationen aus verschiedenen Ländern und Zeiten. Ein insgesamt unterhaltsames Morgenprogramm dessen langweilige Teile auch immer schnell vorbei waren. Den zweiten Teil der Corrick Collection sah ich mir dann zugunsten der Masterclass nicht an.

Die Masterclass an diesem Donnerstag war mal wieder eine sich lohnende Veranstaltung. Es wurden im Laufe der Klasse zwei Filme gezeigt (jeweils so ca. eine halbe Stunde) die abwechselnd von den zwei Masterclass-Schülern begleitet wurden. Dazu gab es dann jeweils noch kleine Gesprächsrunden zwischendrin über Filmverständnis und Tipps zum Stummfilm begleiten. Lehrer war diesmal Neil Brandt, später stieß noch von Gabriel Thibaudeau hinzu.

Es gab jede Menge Tipps und Informationsschnippsel rund um Stummfilmbegleitung, es war für die Zuschauer und für die zwei Schüler unterhaltsame zwei Stunden. Amüsant waren so kleine Seitenhiebe auf die Handlungsstränge (Mannwerdung bedeutet das Mädchen zu bekommen das man will und böse Jungs bestraft man, dieser Männlichkeitsbegriff sei doch sehr 1920-er like.)

Als Gabriel Thibaudeau dazukommt gibt er ein paar Tipps aus dem ‘Silent Film Pianist Survival Kit’. So meint er man sollte im Verhältnis 50/50 auf Klaviatur und Leinwand sehen, bei schnellen Komödien max. 2 Sekunden auf die Tasten schauen, sonst verliert man zuviel Story.

Und generell sollte man Mut zu seiner eigene Musik zeigen. Dazu hatte er eine Anekdote aus Bologna zur Hand. Auf den Ruf aus dem Publikum ‘Sie haben den Film mit ihrer Musik zerstört’ kam ebenfalls aus dem Publikum der Ruf ‘Ich habe gerade die Filmrollen gesehen, sie scheinen noch in Ordnung zu sein.’ Thibaudeaus Folgerung daraus: Mit der Musik kann man keine Filme physikalisch zerstören, habt Mut.

Daneben zeigte er etwas Klaviertechnik und wie man Harfen und Glocken nachbilden kann. Ebenfalls zeigte er, wie man mit einer Kreditkarte (”Don’t take your credit card, take some of this air craft company cards”) und dem Klavier Geräusche für Horror- und Angstszenarien machen kann (ein paarmal über die Saiten kratzen). Und als spezieller Tipp für das Klavier in dem Veranstaltungsraum: ‘Put some oil on the pedals’ (schon die ganzen Tage quietschte das Klavier).

Bei Textverständisproblemem empfahl er eine Analyse der Körpersprache und die Platzierung der Darsteller. Werden zwei Leute nacheinander gezeigt oder zusammen? Haben sie die gleiche Größe:?Werden zwei Leute beim ersten gemeinsamen Auftritt zusammen in gleicher Größe gezeigt, so wäre das ein Indiz auf eine schon bestehende Beziehung. Beim Nacheinander kommen lernen sie sich vermutlich erst noch kennen.

Nach der Masterclass gab es noch einen der ersten afrikanischen Filme zu sehen. ‘The Rose of Rhodesia’, begleitet von Philip Carli (da folgt vermutlich noch ein Blog-Artikel)

Darauf folgend gab es in einem größeren Rahmen noch mal den Film ‘On Strike’ der bereits am Sonntag im Rahmen des Collegiums gezeigt wurde. Der Hauptfilm am diesem Nachmittag war dann ‘L’Heureuse Mort’ eine amüsante Komödie über einen erfolglosen und untalentierten (?) Autor, der nach seinem Unglückstod in der Nordsee als großer französischer Autor erkannt wird und dessen Stücke fortan erfolgreich in die Theater kommt und dessen Werke erfolgreich vermarktet werden. Leider klappte es mit seinem Tod aber nicht ganz, er überlebte das Unglück und tritt fortan als sein aus dem Senegal zurückgekehrter Bruder auf und entdeckt zusammen mit seiner Witwe immer wieder neue Werke aus dem Vermächtnis. Kompliziert wird es, als sein Bruder wirklich kommt um den Betrüger zu enttarnen. Eine amüsante Geschichte bei der man trotz Nachmittagsmüdigkeit gerne wach bleibt. Die Spätnachmittagsfilme aus der Sherlock-Reihe lasse ich zugunsten eines kleinen Schläfchen aber dann doch ausfallen.

Der Abend beginnt mit einem kurzen ‘Eventi Speciale’: The Frederico Mission Movie Kit’ begleitet den Chaplin-Film ‘The Rink’. Obwohl der Film schon oft gesehen wurde macht er mit neuer Musik doch wieder Spaß. Die Musik wurde auf dem diesjährigen ‘Strade del Sole’-Festival in Aosta prämiert.

Als Hauptfilm folgte ‘Der Fürst von Pappenheim’ eine hübsche Komödie über eine Prinzessin, die nicht irgend einen für sie ausgesuchten Prinzen heiraten will, sondern lieber ausbricht um die echte Liebe zu suchen. Zuflucht findet sie als Mannequin bei einem Modehaus und nach vielen Verwicklungen arrangiert sie sich mit dem Prinzen – der ganz zufällig eben der Mann ist, in den sie sich zuvor auch verliebte. Eine zu erwartende Geschichte, aber schön in Szene gesetzt und hervorragend von Donald Sosin begleitet.

Montag in Pordenone: Filme, Masterclass und ein enttäuschendes Collegium

Mittwoch, 07. Oktober 2009

Der Montag begann für mich mit dem Film ‘Grazielle’ (Programmheft, Seite 114f). Schöne Musik, aber eine ausgesprochen kitschige Liebes­geschichte. Das Ende ist dann aber doch etwas über­raschend. Der Liebhaber reist zu seiner todkranken Mutter und erhält dann dort einen Brief seiner Geliebten, das sie schwer erkrankt sei und binnen drei Tagen sterben würde. Aber ansonsten eine vorhersehbare Geschichte.

Danach ging ich zu einer Veranstaltung auf die ich mich schon freute: Die Masterclass. Zwei Pianisten werden von den erfahrenen Stummfilmmusikern des Festivals in die höheren Weihen der Stummfilmbegleitung eingeweiht. Die diesjährigen Aspiranten sind Miye Yanashita (Japan) und Cyrus Gabriysch (Großbritanien).

Die erste Masterclass durfte Günther Buchwald halten. Nach einer kurzen Einführung ging es mit einer kleinen Bewegungsübung los. Günther Buchwald spielte ein Stück, die zwei Aspiranten sollten sich in dem Tempo der Musik im Raum bewegen. Danach wurde es gedreht, Günther Buchwald lief im Raum und die Musiker sollten die Musik dazu machen. Danach gab es Filmbeispiele mit verschiedenen Kombinationen der Begleitung (die Musiker alleine, zwei Pianisten, einer am Klavier, Günther Buchwald dazu auf der Violine…). Insgesamt eine nette Stunde, aber man merkte, das die Aspiranten sich noch nicht ganz wohl fühlen und sich erst in die Atmosphäre einleben müssen. Aber es sieht vielversprechend für die weiteren Termine aus.

Danach kam dann ein leider etwas enttäuschendes Collegium unter dem Titel ‘From Grain to Pixel’. Schon beim Lesen des Pro­gramm­heftes war mir klar, das ich zu diesem zweiten Collegium gehen werde.

Giovanni Fossati hielt einen Vortrag mit einer PowerPoint-Präsentation. Leider widersprach diese Variante dem Ziel des Collegiums – einem Gespräch bzw. einer offenen Diskussion. Es entwickelte sich auch keine Diskussion. Das Sie am Ende des Vortrages dann noch Folien über das niederländische Filmmuseum, das dortige Programm und ein Entwurf eines Neubaus mag zwar interessant sein, aber an dieser Stelle leider nicht passend. Nach dem Ende des Vortrages wurde dann die Zeit etwas überzogen und es entwickelte sich über die Nachfragen noch eine kleine Diskussion. Es wurde noch etwas auf die Gefahren der digitalen Restaurierung eingegangen. Als Beispiel wurde eine Szene gezeigt, bei der die automatische digitale Staubentfernung (’dust removal’) einen schnell über den Schirm laufenden Hund teilweise entfernte. Aber letzen Endes kam häufig das gleiche Zitat wie schon in ihrem Vortrag: ‘Da könnte man lange drüber reden, aber in meinem Buch habe ich da viel drüber geschrieben.’

Am Nachmittag gibt es dann wieder Stummfilme in der Diven-Reihe, diesmal sind Asta Nielsen Filme dabei. Neben zwei Kurzfilmen wird ‘Die Geliebte Roswolskys’ gezeigt. Den darauf folgenden Sherlock Holmes lasse ich aus, im Abendprogramm sollte das Sitzfleisch erholt sein.

Im Abendprogramm begleitet Touve Ratovondrahety in über 160 Minuten den Film ‘Carmen’ (Frankreich 1926, Jacques Feyder). Letzes Jahr war Touve Ratovondrahety einer der zwei Masterclass-Schülern und er überzeugte mich damals nicht, er war mir damals zu laut. Das er in die Tasten hauen kann beweis er auch zu Carmen wieder und er hatte auch genügend Anlass im Film dazu. Aber er spielte in ruhigen Phasen auch ruhiger – er kann also wenn er will (oder er hat dazugelernt). Schöner Film, im gesamten auch gute Musik, aber über 2 1/2 Stunden Film sind zuviel.

Im Spätprogramm gab es Filme der Jugoslovenska Kinotek die als ‘Adults Only’ angekündigt waren. David Robinson wies vor den Filmen auch noch mit deutlichen Worten darauf hin, das nur erotisches Material kommen würde, und das weder der sich davon evtl. abgestoßen füllen würde jetzt doch bitte den Raum verlassen sollte. Währen der Bedenkzeit spielten dann Donald Sosin und Günter Buchwald schon mal etwas frivolere Musik bevor es dann los ging. Sagen wir es mal so: Es war eindeutig pornografisches Material, die Bildqualität mäßig, der Saal amüsiert und die Musik stilvoll und passend.

Pordenone: Farmer aus Texas

Samstag, 13. Oktober 2007

Die Nachmittagsvorstellungen gibt es diesmal nicht im Teatro Verdi, sondern in einem einem Kino, dem Cinemazero. Im Teatro Verdi findet die Generalprobe für die Abschlußveranstaltung statt.

Gezeigt wird Cowboy Count, ein deutscher Film von 1925. Eine texanische Ranchertochter heiratet einen schwedischen Grafen und bekommt einen Sohn. Als ihr Vater stirbt, freut sich der Graf über die Erbschaft, wird aber enttäuscht, alles soll der Sohn erben, wenn er erwachsen ist. Die Ranchertochter will sich trennen, befürchtet aber, das sie ihren Sohn nicht mitnehmen kann. Kurzerhand wird dem Grafen ein falsches Kind untergeschoben ohne das er es merkt. Als es dann soweit ist, das die Erbschaft verteilt werden soll gibt es ein entsprechende Chaos.

Der Film wird von Roman Zavada, einem der Schüler der Masterclass begleitet. Ich sag nur: Gut gemacht!